Am Montag startet in Wien das neue Schuljahr. Rund 19.000 Taferlklassler sitzen erstmals in den Klassenzimmern – und zumindest beim Lehrpersonal gibt es heuer eine gute Nachricht: Erstmals seit Jahren haben sich mehr Pädagoginnen und Pädagogen beworben, als Stellen offen waren.
Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) und Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs sprachen am Freitag von einer möglichen Trendwende. Der Lehrerberuf sei wieder attraktiver geworden, vermutet Emmerling. Auch unter dem Schuljahr würden laufend neue Lehrkräfte aufgenommen.
Hoffnung gibt es laut Emmerling auch bei den sogenannten außerordentlichen Schülern. Darunter fallen Kinder, die dem Unterricht wegen mangelnder Deutschkenntnisse noch nicht ausreichend folgen können. "Die Zahl dürfte sinken", sagte Emmerling. Konkrete Zahlen sollen nach Schulbeginn vorliegen.
Als einen Grund nannte die Stadträtin unter anderem das Aus für den Familiennachzug. Gleichzeitig wurde die Deutschförderung in Wien ausgebaut. Vorgesehen sind unter anderem verpflichtende Deutschkurse, zusätzliche Angebote vor dem Schuleintritt und mehr Unterstützung für besonders belastete Schulen.
Auch die sommerliche Hitze war Thema der Pressekonferenz. Vor allem ältere Schulgebäude seien beim Hitzeschutz noch nicht ausreichend gerüstet. Für das kommende Schuljahr kündigte Emmerling deshalb Erleichterungen an. "Der Einsatz mobiler Klimageräte und Ventilatoren muss einfacher werden", erklärte die Stadträtin. Außerdem soll nächtliches Lüften unter bestimmten Sicherheitsvorkehrungen möglich werden.
An ihrem Wunsch nach früheren Sommerferien hält Emmerling ebenfalls fest. Sie will das Thema bei der kommenden Bildungsreferentenkonferenz mit den anderen Bundesländern besprechen. Ende August seien die Nächte bereits länger und damit kühler – ein früherer Ferienbeginn könnte daher beim Hitzeschutz helfen.
Während die Stadt von Verbesserungen spricht, kommt aus der younion-Kindergartengewerkschaft scharfe Kritik. Vorsitzender Manfred Obermüller verweist auf einen weiterhin massiven Personalmangel in den städtischen Kindergärten.
"Schon jetzt fehlen 900 Pädagogen in den städtischen Bildungseinrichtungen. Dann auch noch von kleineren Gruppen zu fantasieren, ist fast schon fahrlässig", kritisiert Obermüller.
Auch unbezahlte Zusatzleistungen sorgen laut Gewerkschaft für Ärger. Assistentinnen und Assistenten würden teilweise als Pädagoginnen und Pädagogen eingesetzt, Pädagogen müssten sich zusätzlich um Inklusionskinder kümmern. Obermüller fordert deshalb mehr Personal und eine Bezahlung der tatsächlich geleisteten Arbeit.
Auch politisch bleibt die Debatte um die Wiener Bildung heftig. ÖVP-Bildungssprecher Harald Zierfuß kritisiert die Deutschförderung in Wiener Kindergärten. "Nach wie vor funktioniert die Deutschförderung in Wiens Kindergärten überhaupt nicht", so Zierfuß. Er fordert deutlich mehr Sprachförderkräfte und eine verpflichtende Deutschförderung mit klaren Qualitätsstandards.
Auch die Grünen sehen weiterhin große Probleme. Bildungssprecher Julia Malle und Felix Stadler kritisieren unter anderem fehlende Sprachförderkräfte, Lücken bei Schulsozialarbeit und Unterstützungsangeboten für Kinder mit Behinderung. "Die Probleme an Wiens Schulen und Kindergärten werden einfach zu mutlos angegangen", so Malle und Stadler.