Kein Ende der Krisen, gleich mehrere Kriege, dazu die anhaltende Teuerung: Die Nerven bei den Bürgern liegen blank – und bei der Politik ebenso. Für Oberösterreich bedeutet die Wahl in knapp eineinhalb Jahren eine Richtungsentscheidung: Behält die Volkspartei den LH-Sessel, oder wird er künftig blau eingefärbt?
Der freiheitliche Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner spitzt schon lange darauf und untermauert das in seinen Kampagnen. Zuerst versicherte er seiner Anhängerschaft, dass "Oberösterreich es besser kann". Danach suchte der 47-Jährige nach Ideen fürs Bundesland.
Unterdessen springt VP-Manager Florian Hiegelsberger wiederholt für seinen Chef in die Bresche: Landeshauptmann Thomas Stelzer "steht wie kein anderer für eine verlässliche Politik für Oberösterreich", betonte er zuletzt. Angesichts der Herausforderungen der vergangenen Jahre habe er das Land "ruhig, ernsthaft und mit Hausverstand" durch diese Zeit geführt.
Nun erfasst die Polit-Nervosität auch die Landeshauptstadt, wo ebenfalls im Herbst 2027 der Urnengang ansteht: FP-Stadtrat Michael Raml, der in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt am roten Dietmar Prammer scheiterte, setzt auf den Slogan "Echt sozial & ned egal!".
Die Ausgangslage
Zur Erinnerung: Bei der Gemeinderatswahl 2021 erreichte die FPÖ im wilden Ibiza-Fahrwasser gerade einmal 14 Prozent. Sie landete damit auf dem vierten Platz hinter SPÖ (34 Prozent), ÖVP (18 Prozent) und Grünen (16 Prozent).
Anfang 2025 dann die nächste Entscheidung: Raml unterlag Prammer in der Bürgermeister-Stichwahl. Die Abstimmung endete mit 77,1 zu 22,9 Prozent.
Er will den Linzern am 12. Mai ab 11 Uhr im Einkaufszentrum Lentia City sein Gehör schenken. Am Plakat, das den 38-Jährigen verteilt über die Stadt im Gespräch mit einer älteren Dame zeigt, gibt er sich in typisch blauer Manier rustikal im Trachtensakko.
VP-Vizebürgermeister Martin Hajart baut hingegen an verschiedenen Standorten auf Urbanität und in der Botschaft auf ein schwarzes Kernthema: eine "große Wirtschafts-Offensive". Der 42-Jährige verspricht "Verbesserungen für alle": u.a. Öffi-Ausbau, mehr Parkplätze und Power für die Industrie.