Laut WWF könnten in sechs Bundesländern mehr als 1.000 Biber trotz Schutzstatus getötet werden. Die Naturschutzorganisation warnt davor und bezieht sich dabei auf eine Auswertung der jährlichen Tötungskontingente in bestehenden und geplanten Verordnungen. Besonders in Niederösterreich ist eine Erhöhung der erlaubten Tötungen von bisher 392 auf bis zu 600 Tiere geplant, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.
„Der Biber baut genau das, was wir gegen Hitze und Dürre brauchen: natürliche Dämme, die Wasser zurückhalten und wertvolle Feuchtgebiete schaffen.“Sarah StögerWWF-Artenschutzexpertin
Sie fordert ein Ende der laut EU-Recht unzulässigen Tötungsregeln und setzt auf natürliche Prävention. Es sei extrem kurzsichtig, den Biber so massiv zu verfolgen.
Abschussliste:
Niederösterreich: 600 Biber
Oberösterreich: 158 Biber
Kärnten: 148 Biber
Steiermark: 84 Biber
Vorarlberg: 32 Biber
Salzburg: 15 Biber
Laut WWF sind die regulären Eingriffszeiten meistens von Anfang September bis Ende März, damit die Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit verschont bleibt. Junge Biber bleiben aber bis zu zwei Jahre bei ihren Eltern. Wenn Elterntiere im Herbst getötet werden, sind oft gleich zwei Jahrgänge der Jungtiere betroffen.
„Die Tötung der Eltern kann auch für viele Jungtiere zum Todesurteil werden.“
Die untersuchten Verordnungen widersprechen laut WWF in zentralen Punkten dem EU-Artenschutzrecht, vor allem weil die vorgeschriebene Einzelfallprüfung umgangen wird. Die WWF-Analyse zeigt auch Lücken bei Kontrollen, beim Rechtsschutz und bei der Berücksichtigung der Folgen für Schutzgebiete und zusammenhängende Biberbestände. "Das EU-Recht verlangt streng begründete Ausnahmen, die Länder machen daraus pauschale Tötungsregeln. Österreich entfernt sich damit immer weiter von den europäischen Schutzvorgaben", kritisiert Stöger das Vorgehen.
Die Landesregierungen werden vom WWF aufgefordert, ihre Verordnungen zu überarbeiten. Jede Ausnahme vom strengen Artenschutz brauche eine nachvollziehbare behördliche Einzelfallentscheidung, eine Prüfung von Alternativen und einen wirksamen Rechtsschutz. Fachkundige Beratung, passende technische Schutzmaßnahmen und ausreichend breite Uferrandstreifen müssten verlässlich finanziert werden, so der WWF. Außerdem sollten die Bundesländer nach einheitlichen wissenschaftlichen Standards gemeinsam erfassen, wie sich Bestände und Tötungen entwickeln und ob die Eingriffe Konflikte wirklich dauerhaft lösen.