Tierisch absurd

80 Prozent weniger! Trotzdem schießt man Rebhühner

Das Rebhuhn verschwindet zunehmend aus Österreichs Feldern – und wird trotzdem weiterhin bejagt. Tierschützer fordern nun den Jagdstopp.
Heute Tierisch
16.09.2026, 11:09
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Einst war sein Ruf auf Österreichs Feldern alltäglich, heute wird das Rebhuhn immer seltener. Trotz eines dramatischen Bestandseinbruchs darf der gefährdete Feldvogel weiterhin bejagt werden – Tierschützer fordern jetzt einen Jagdstopp.

Es sind Zahlen, die aufhorchen lassen: Seit den 1990er-Jahren soll der Rebhuhn-Bestand in Österreich laut Österreichischem Tierschutzverein um rund 80 Prozent eingebrochen sein. Heute werden nur noch etwa 7.000 bis 8.000 Brutpaare geschätzt.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Mit der perfekten Hecke kannst du Vögel im Garten unterstützen:

Gleichzeitig weist die offizielle Jagdstatistik für das Jagdjahr 2024/25 österreichweit 2.528 erlegte Rebhühner aus. Fast alle Abschüsse entfielen auf Niederösterreich und das Burgenland. Zum Beginn der dortigen Jagdsaison fordert der Österreichische Tierschutzverein deshalb ein Moratorium für die Bejagung der Art.

Küken fehlt das Futter

Die Probleme des Rebhuhns reichen allerdings wesentlich weiter zurück als bis zur Jagd. Bereits zwischen 1950 und 1980 setzte laut Claudia Bieber, Leiterin des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, ein starker Rückgang ein. Eine wichtige Rolle spielte demnach der Einsatz von Pestiziden und das damit schrumpfende Insektenangebot. Für Rebhühner ist das besonders fatal: Die Küken benötigen in ihren ersten Lebenswochen vor allem tierische Nahrung wie Insekten und Spinnen und bleibt diese Nahrung aus, sinken die Überlebenschancen.

Bald kein Zuhause mehr

Später kam ein weiteres Problem hinzu: Dem Rebhuhn ging zunehmend sein Zuhause verloren. Der Feldvogel braucht nämlich keineswegs unberührte Wildnis, sondern eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Hecken, Brachen, breite Feldraine, Altgras und blütenreiche Randstreifen liefern Nahrung, Brutplätze und vor allem Deckung. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sind viele dieser Strukturen verschwunden. Auf großen, ausgeräumten Agrarflächen finden Rebhühner nicht nur weniger Nahrung – Eier, Küken und erwachsene Tiere sind dort auch leichter für Fressfeinde zu entdecken.

Fast allen Feld- und Wiesenvögeln geht es schlecht

Das Schicksal des Rebhuhns steht damit stellvertretend für ein größeres Problem: den Verlust strukturreicher Lebensräume für Feld- und Wiesenvögel. Der Österreichische Tierschutzverein bezeichnet die Art deshalb als "Warnsignal für den Zustand unserer Kulturlandschaft". Neben einem Jagdmoratorium fordert die Organisation mehrjährige Blühflächen und Brachen, Hecken, breite Feldraine und Altgrasstreifen sowie eine weniger intensive und vielfältigere Bewirtschaftung.

Dass ausgerechnet eine bereits stark zurückgegangene Art weiterhin auf den Abschusslisten steht, sorgt bei den Tierschützern für Kritik.

Für den kleinen Hühnervogel entscheidet sich seine Zukunft deshalb nicht nur während der Jagdsaison. Entscheidend wird sein, ob er wieder genügend Platz zum Leben bekommt. Denn verschwinden Hecken, Insekten, Brachen und Feldraine weiter, könnte ein Vogel, der einst ganz selbstverständlich zu Österreichs Feldern gehörte, tatsächlich irgendwann verstummen.

red,16.09.2026, 11:09