Drei Torhüter, vier Kapitäne und insgesamt 26 eingesetzte Spieler – Ralf Rangnick nutzte den XXL-Lehrgang zum großen ÖFB-Test. Gleich sechs Kicker feierten dabei ihr Teamdebüt. Während sich mehrere Spieler in den Vordergrund spielten, gerieten andere im Kampf um die Stammplätze unter Druck.
"Es gab viele Spieler, die wirklich aufgezeigt haben", lobte Rangnick. "Ich sehe keinen, der irgendwo abgefallen wäre." Trotzdem brachte der Lehrgang klare Gewinner hervor – und ein paar wenige Verlierer, die künftig noch härter um ihre Einsatzminuten kämpfen müssen.
Das Linzer Duo Sasa Kalajdzic und Christoph Lang rettete mit einem "LASK-Minute-Tor" das wichtige 1:1 im Kosovo. Kalajdzic zeigte einmal mehr, wie wertvoll er als körperlich starke Anspielstation im Sturm ist.
Lang spielte zwar nur insgesamt 45 Minuten, brachte aber Tempo und Dynamik in die rot-weiß-rote Offensive: Im Auftaktspiel gegen Israel bereitete er den 3:1-Endstand durch seinen LASK-Kollegen vor. Im letzten Spiel sorgte er gegen den Kosovo mit einem starken Kopfball für den 1:1-Ausgleich – und sorgte dafür, dass das ÖFB-Team die Tabelle mit drei Punkten Vorsprung anführt.
Ein klarer Gewinner ist Patrick Wimmer. Bei der WM war er angeschlagen und kam nur auf 19 Einsatzminuten. Jetzt ist der Flügelspieler wieder voll da. Für den Hoffenheim-Legionär gab es von Rangnick sogar ein Extra-Lob: "Den Platz hat er sich zurecht geholt. Er gibt uns mit seinen Tempoläufen in die Tiefe, aber auch im Spiel gegen den Ball extrem viel Energie."
Auch Alexander Prass ist ein Aufsteiger. In Hoffenheim zuvor nur bei den Amateuren im Einsatz wurde er beim 2:2 in Irland zum wichtigen Faktor. Nach seiner Einwechslung brachte er viel Energie und leitete mit seinem Anschlusstreffer die Aufholjagd nach dem 0:2-Rückstand ein. Auch gegen Kosovo überzeugte er in Halbzeit eins.
Bei Xaver Schlager fühlt sich Teamchef Rangnick bestätigt: Wenn der Mittelfeldspieler fit ist, führt im ÖFB-Team kein Weg an ihm vorbei. Der Nottingham-Legionär überzeugte mit seiner robusten Spielweise, Ruhe am Ball und enormer Präsenz. "Er ist wieder der alte Xaver", lobte Rangnick.
Im Tor wird der Konkurrenzkampf immer härter: Denn im Lehrgang überzeugten alle Goalies, die Rangnick einsetzte. Neben Alexander Schlager bekamen Christian Zawieschitzky und Florian Wiegele ihre Chancen. "Die Torhüter haben es allesamt gut gemacht", erklärte Rangnick.
Zawieschitzky hatte beim Debüt sofort die Aura einer Nummer 1. Bremen-Reservist Schlager setzte beim 1:1 im Kosovo ein Ausrufezeichen mit starken Paraden. "Er hat uns auch in der einen oder anderen Situation Bälle gehalten, die er nicht unbedingt halten muss." Eine fixe Nummer eins gibt es trotzdem nicht. Rangnick spricht von einer "im Moment ganz offenen Situation".
Die Liste der Verlierer fällt kurz aus: Dazu zählen die beiden Bremen-Legionäre Marco Friedl und Marco Grüll. Friedl durfte nur beim 3:1-Sieg gegen den Kosovo in den letzten elf Minuten mitwirken, schmorte die restlichen Spiele auf der Bank. Während seine Konkurrenten auf der Innenverteidiger-Position durchaus überzeugten. David Affengruber traf gegen den Kosovo, Felix Bacher feierte sein Debüt im Nationalteam, war aber nicht immer sattelfest.
Noch bitterer verlief der Lehrgang für Grüll. Der Offensivmann kam in der deutschen Bundesliga bislang in vier Spielen auf zwei Tore und vier Vorlagen und reiste mit einer breiten Brust zum Team. Rangnicks Vertrauen dürfte er sich deshalb aber immer noch nicht erspielt haben. Beim Auftakt gegen Israel startete er und musste bereits zur Halbzeit vom Platz. Zum Einsatz kam er dann nur noch im letzten Spiel gegen den Kosovo, durfte 28 Minuten mitwirken.
Schwer hat es auch Junior Adamu. Der Schalke-Stürmer kam nur beim 3:1-Sieg gegen den Kosovo zum Einsatz – konnte da aber mit einer starken Leistung überzeugen und belohnte sich mit seinem Debüttreffer. Für weitere Einsätze reichte es jedoch nicht. In der Rangordnung haben Michael Gregoritsch und Kalajdzic ganz klar die Nase vorn.