Wiens Mega-Kanalprojekt läuft auf Hochtouren – doch jetzt heißt es kurz: Pause für den Bohrer! Tunnelmaschine "Krümel" hat nach über zwei Kilometern Schwerarbeit einen kleinen "Zahnarzttermin" eingelegt. Im Serviceschacht Schlossallee, quasi mit Schönbrunn-Blick, wird das Schneidrad geputzt, Zähne werden erneuert und alles durchgecheckt.
Bislang sind bereits 2.225 Meter Tunnel gebohrt und mehr als 11.000 Tunnelbausteine verbaut – ein Viertel der gesamten Röhre ist damit geschafft.
Der neue Wiental-Kanal soll künftig bei Starkregen das Kanalnetz entlasten und den Wienfluss vor Schmutzwasser schützen.
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) erklärt: "Im Wiental entsteht das größte Kanalbauprojekt in der Geschichte von Wien Kanal. Mit dem neuen Wiental-Kanal schützen wir den Wienfluss vor Verunreinigungen. Bis 2028 werden alle bestehenden Kanäle der angrenzenden Bezirke an den neuen Wiental-Kanal angeschlossen sein und das Kanalnetz bei Starkregen entlasten. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für den Umweltschutz und die Lebensqualität der Wiener*innen."
Der Tunnelbau ist alles andere als einfach: wechselnde Geologie, wenig Platz und jede Menge Leitungen unter der Erde. Czernohorszky sagt dazu: "Tunnelbau in der Stadt ist für alle Beteiligten, von der Planung bis zum Bau, eine enorme Aufgabe. Der Bau dieses ersten Abschnitts war eine echte Herausforderung, aber das Team hat sie mit Präzision und technischer Expertise gemeistert. Dieser Erfolg gibt Rückenwind für die nächsten Kilometer."
Auch in Rudolfsheim-Fünfhaus ist man erleichtert. Bezirksvorsteher Dietmar Baurecht (SPÖ) meint mit Augenzwinkern: "Ich bin froh, dass sich Krümel trotz hartem Boden in unserem Bezirk nicht die Zähne ausgebissen hat. Der Wiental-Kanal ist für uns sehr wichtig und bedeutet vor allem eines: weniger Belastung oben, dafür mehr Sicherheit unten. Dem gesamten Team gilt mein Dank zum erfolgreichen Bauabschnitt in unserem Bezirk."
Während "Krümel" geschniegelt wird, plant das Team schon den nächsten Abschnitt Richtung Kennedybrücke. Dort wird’s eng: Teilweise nur drei Meter Abstand zu den Häusern.
Wien-Kanal-Direktor Andreas Ilmer erklärt: "Die geringen Abstände zu den Häusern erfordern eine penible Vorbereitung. Alle betroffenen Gebäude werden im Vorfeld sorgfältig begutachtet… Die Grundwasserstände werden an zwei Messstellen permanent überwacht; genauso wie die Gleise der Straßenbahnlinien 10 und 60," so Ilmer weiter.
Und er beruhigt: "Wir gehen mit bestmöglicher Vorbereitung und dem nötigen Respekt ans Werk. Aufgrund der eingesetzten Maschinentechnik und der bisherigen Erfahrungen erwarten wir keine unlösbaren Probleme."
Die gute Nachricht: Der Großteil der Arbeiten passiert unterirdisch. Oberirdische Einschränkungen bleiben punktuell, Bohrgeräusche können aber kurz hörbar sein.
Wer mehr wissen will, kann ins Infocenter "Über Unten" beim Gaudenzdorfer Gürtel schauen – oder die Ombudsstelle kontaktieren. Infos: https://ueberunten.wien