Für René Benko wird sich der Alltag noch am Mittwoch schlagartig ändern. Nach rund 20 Monaten in Untersuchungshaft darf der ehemalige Signa-Chef seine Gefängniszelle verlassen. Das Landesgericht Innsbruck hat seinen Antrag auf elektronisch überwachten Hausarrest bewilligt.
Und jetzt geht es offenbar schneller als zunächst erwartet: Die Justizanstalt muss den Wechsel innerhalb von zwei Amtsstunden abwickeln.
Am Mittwochvormittag hatte ein Richter am Landesgericht Innsbruck grünes Licht für Benkos Antrag gegeben. Sein Verteidiger Norbert Wess bestätigte die Entscheidung.
Auf Anfrage von "Heute" erklärte die Justizanstalt Innsbruck, dass die weiteren Schritte samt Entlassung innerhalb der nächsten zwei Amtsstunden erfolgen müssen.
Entscheidend ist dabei der Zeitpunkt, zu dem der 49-Jährige von seiner Haftverhandlung in die Justizanstalt Innsbruck, auch als "Ziegelstadl" bekannt, zurückkehrt. Erst dann beginnt die Frist zu laufen. "Um halb zwölf ist er draußen", hieß es dazu.
Seine neue Unterkunft hat der frühere Immobilienunternehmer bereits organisiert. In Innsbruck wurde eine rund 60 Quadratmeter große Wohnung angemietet, in der er künftig unter elektronischer Überwachung leben soll.
Nach seiner Entlassung aus der Justizanstalt soll Benko direkt dorthin übersiedeln.
Damit endet zwar sein Aufenthalt hinter Gefängnismauern, die Untersuchungshaft wird aber nicht aufgehoben. Stattdessen wird sie unter den Bedingungen des elektronisch überwachten Hausarrests fortgesetzt.
Benkos Anwalt Norbert Wess zeigte sich nach der Entscheidung erleichtert. Er hatte den Antrag auf die Fußfessel eingebracht.
"Wir freuen uns natürlich aus Sicht der Verteidigung aber insbesondere auch für unseren Mandanten, dass das LG Innsbruck unserem Rechtsstandpunkt gefolgt ist und Herr Benko nun dergestalt die Möglichkeit bekommt, sich auf den nächsten bevorstehenden Prozess umfassend vorzubereiten und sich auch mit den sonstigen Vorwürfen im Ermittlungsverfahren fundiert auseinanderzusetzen", erklärte Wess gegenüber "Heute".
Benko war am Mittwoch um 9 Uhr persönlich im Saal 125 des Landesgerichts Innsbruck erschienen. Dort wurde über seinen Antrag auf eine Änderung der Haftbedingungen entschieden.
Viel Zeit bis zu seinem nächsten Gerichtstermin bleibt dem ehemaligen Signa-Chef nicht. Bereits in drei Wochen beginnt ein weiterer Strafprozess.
Dabei geht es um die Causen Haselsteiner und Jagdgewehr. Auf diese Verhandlung will sich Benko nun in seiner angemieteten Wohnung vorbereiten.
Die Entscheidung des Innsbrucker Gerichts ist auch deshalb bemerkenswert, weil elektronisch überwachter Hausarrest bei Untersuchungshäftlingen in Österreich kaum vorkommt. Wie die "Krone" berichtete, trug von insgesamt 1.863 Untersuchungshäftlingen zuletzt nur eine einzige Person eine Fußfessel.
Mit Benko kommt nun ein weiterer prominenter Fall hinzu. Nach 20 Monaten in Haft könnte der 49-Jährige damit bereits wenige Stunden nach der Gerichtsentscheidung seine Zelle verlassen. Seine juristischen Verfahren gehen allerdings weiter.