Mehr als ein Jahrhundert galten die kostbaren Habsburg-Juwelen als verschollen, nun können Besucher den legendären Schatz erstmals öffentlich bestaunen. Ab Freitag werden der berühmte Florentiner-Diamant und weitere Schmuckstücke der Familie in einem Museum in Kanada präsentiert.
Die Ausstellung findet im Musée national des beaux-arts du Québec in Québec City statt. Zur Eröffnung reist auch das Familienoberhaupt Karl Habsburg nach Kanada.
Im Mittelpunkt steht der 137 Karat schwere Florentiner-Diamant. Über die toskanische Linie war der wertvolle Stein einst in den Besitz der Habsburger gelangt. Daneben werden weitere Schmuckstücke gezeigt, die unter anderem aus dem Besitz von Kaiserin Maria Theresia und der französischen Königin Marie-Antoinette stammen.
Teil der Ausstellung ist auch ein deutlich unscheinbareres Stück mit besonderer Geschichte: jener einfache Koffer, in dem Kaiserin Zita die Juwelen 1940 auf ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten nach Kanada brachte.
Karl Habsburg freut sich darüber, dass der Familienschatz nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. "Als Nachkommen von Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita sind wir sehr stolz und geehrt, unseren kulturell und historisch bedeutenden privaten Schmuck mit der Öffentlichkeit zu teilen", sagt er.
Seine Großmutter Zita habe sich zu Lebzeiten gewünscht, dass die nach Kanada geretteten Juwelen eines Tages einer kulturhistorisch interessierten Öffentlichkeit gezeigt werden. Mit der Ausstellung werde dieser Wunsch nun erfüllt.
Dass die Schmuckstücke ausgerechnet in Kanada präsentiert werden, hat für die Familie ebenfalls eine besondere Bedeutung. Damit wolle man sich dafür dankbar zeigen, dass sie während der Verfolgung in Québec einen sicheren Zufluchtsort gefunden hatte.
Die Geschichte des Schatzes reicht bis zum Ende der Habsburgermonarchie zurück. Nachdem die Monarchie 1918 nach 600 Jahren zu Ende gegangen war und Kaiser Karl 1919 mit seiner Familie in die Schweiz ins Exil musste, ließ er Schmuck aus der Schatzkammer der Wiener Hofburg mitnehmen.
Dabei handelte es sich um Stücke, die nicht zum Kronschatz gehörten, sondern im Eigentum der Familie standen.
In der Schweiz versuchte der enteignete ehemalige Kaiser, einzelne Schmuckstücke zu verkaufen. Dabei dürfte er allerdings Betrügern aufgesessen sein. Nach Karls Tod im Jahr 1922 auf Madeira entschied Zita, die verbliebenen Juwelen nicht aufzuteilen.
Als Zita 1940 vor den Nationalsozialisten aus Europa fliehen musste, nahm sie den Schmuck in einem Pappkoffer mit nach Kanada. Dort fand sie gemeinsam mit ihren Söhnen, darunter Otto Habsburg, Zuflucht.
Die Juwelen wurden anschließend in einen Trust eingebracht, der heute formell ihr Eigentümer ist. Dadurch sollte verhindert werden, dass der Familienschatz aufgeteilt oder verkauft wird oder innerhalb der weit verzweigten Familie Streit darüber entsteht.
Danach verschwanden die Stücke in einem Safe. Bis 2025 wusste die Öffentlichkeit nicht einmal, dass der Schatz noch existierte. Beim Florentiner-Diamanten wurde sogar vermutet, er könnte geteilt und in einzelnen Stücken verkauft worden sein.
Im Herbst 2025 gab Karl Habsburg schließlich bekannt, dass sich der Schatz bereits seit 1940 in Kanada befindet.
Kaiserin Zita hatte verfügt, dass die Juwelen aus Sicherheitsgründen frühestens 100 Jahre nach dem Tod ihres Mannes Kaiser Karl öffentlich gezeigt werden sollten. Nun werden sie erstmals ausgestellt.
Das Wiederauftauchen sorgte allerdings auch für Forderungen nach den wertvollen Stücken. Italien meldete Ansprüche auf den Florentiner-Diamanten an.
In Österreich setzte Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) eine Expertenkommission aus Juristen und Historikern ein, um mögliche Eigentumsansprüche der Republik auf die Juwelen zu prüfen.
Gefundene Akten zeigen allerdings, dass die österreichische Regierung und die Finanzprokuratur bereits kurz nach der Außerlandesbringung erklärt hatten, dass es sich um Familienschmuck handle und eine Rückforderung durch die Republik daher nicht möglich sei.
Eine Rückforderung wäre aktuell auch aus einem anderen Grund schwierig. Die Regionalregierung von Québec hat sämtliche Stücke für die Dauer ihrer Ausstellung für unpfändbar erklärt. Wie lange der Habsburg-Schatz in Québec öffentlich zu sehen sein wird, ist offen.