Ein 14-jähriges Mädchen hat mitten auf dem Baumgartner Friedhof in Wien-Penzing eine ältere Dame erstochen – es war der Schock der Woche. Die dringend Tatverdächtige lebte in einer betreuten WG der MA 11 (Amt für Jugend und Familie der Stadt Wien). Ihr Verhalten war auffällig, sie hatte sich mehrmals selbst schwer verletzt, aber sie richtete bisher niemals – so ihre Betreuer –ihre Aggressionen gegen andere. Derzeit sitzt die Wienerin in U-Haft in der Justizanstalt Josefstadt in Wien, es gilt die Unschuldsvermutung.
"Heute" hat die 'Heim-Akte' des Teenagers (pechschwarze Haare, mehrere Piercings unter der Lippe) rekonstruiert – so liefen ihre vergangenen Monate in der Wohngemeinschaft in der Nähe des Friedhofs in Wien-Penzing ab.
Im November kam der erste große Bruch. Die Mutter der mutmaßlichen Täterin konnte nicht mehr, "sie war überfordert und hat der Unterbringung in der WG zugestimmt", sagt Ingrid Pöschmann von der MA 11 zu "Heute".
Es begann ein völlig neues Kapitel im Leben des Mädchens. Die Tage dort – vor allem zu Beginn – waren geprägt von intensiver Betreuung. Nach dem Aufstehen wurden zuerst die ärztlich verschriebenen Medikamente eingenommen. Dann gab es Frühstück im Gemeinschaftsraum. In der WG wohnten insgesamt vier Kinder und Jugendliche.
Anschließend ging es gleich in die Tagesklinik, hier werden Menschen mit psychischen Erkrankungen behandelt. Das Mädchen "hatte ärztliche Gespräche und ein intensives Therapieangebot."
Anfangs blieb sie bis zum Nachmittag in dieser Einrichtung. Ist die Therapie fortgeschritten, dürfen die Jugendlichen bereits zu Mittag zurück in die WG zum Mittagessen. Danach gibt es Freizeitaktivitäten.
Laut "Heute"-Infos nutzte die 14-Jährige diese Zeit zum Basteln und auch Kochen - das waren ihre Lieblingsbeschäftigungen. Doch die Jugendlichen durften auch hinaus, sie sind zu keiner Zeit eingesperrt in der WG.
In den letzten Tagen entstand aufgrund des Therapieerfolgs ein großer Plan für die nähere Zukunft des Teenagers. Die große Herausforderung: Die 14-Jährige sollte wieder in die Schule gehen – das wollte sie selbst.
Da sie bereits Vertrauen zu den Betreuern aufgebaut hatte, erschien das für alle Beteiligten machbar. Schulbeginn wäre wohl das nächste Schuljahr, also nach den Sommerferien, gewesen.
In der WG herrschte striktes Waffen- und Drogenverbot. Messer gab es in der Küche, die wurden jedoch immer weggesperrt.
Doch am vergangenen Montag – etwas mehr als 100 Tage nach dem Einzug – kam der nächste große Bruch im Leben, es kam zur Katastrophe. Das Mädchen verließ die WG, eingesteckt hatte sie ein Taschenmesser. Woher sie es hatte? "Prinzipiell können auch WG-Bewohner mit ihrem Taschengeld alles kaufen, auch ein Taschenmesser. Es werden keine Leibesvisitationen durchgeführt", heißt es aus der MA11.
Am Nachmittag tauchte das Mädchen auf dem Friedhof auf. Kurze Zeit später lag eine 64-Jährige tot zwischen den Gräbern.
Bestatter Arthur Altbart sah die 14-Jährige: "Sie hatte einen Blick völlig ohne Emotionen."