Wiener pflegt Mutter

"Existenzbedrohend": Nur noch 861 Euro Mindestsicherung

Ein 62-Jähriger aus Wien-Liesing pflegt seine 95-jährige Mutter - seit Jänner bekommt er 369 Euro weniger Sozialhilfe.
Thomas Peterthalner
25.02.2026, 22:10
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Schon seit zehn Jahren kümmert sich Christian R. (62) aus Wien-Liesing rund um die Uhr liebevoll um seine betagte Mutter. Die 95-Jährige leidet an Demenz und altersbedingten Beschwerden, ist in Pflegestufe 4 eingestuft.

Die Seniorin braucht mittlerweile 24-Stunden-Betreuung. "Meine Mama kann alleine nicht leben. Ich pflege sie vom Aufstehen bis zum Schlafengehen und leiste einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft", erzählt Sohn Christian im Gespräch mit "Heute", wir berichteten.

Nur noch 861 Euro pro Monat

Doch seit Jahresbeginn steht der 62-Jährige finanziell massiv unter Druck. Aufgrund einer mit 1.1.2026 in Kraft getretenen Änderung des Wiener Mindestsicherungsgesetzes wurden ihm 30 Prozent der Sozialhilfe gestrichen - das sind 369 Euro pro Monat. Statt rund 1.230 Euro im Vorjahr erhält er heuer nur noch rund 861 Euro.

"Für mich existenzbedrohend"

"369 Euro mögen für manche Menschen nicht viel Geld sein, für mich jedoch ist es existenzbedrohend", schildert der 62-Jährige. Die Pflege seiner Mutter sei für ihn ein Vollzeit-Job. "Meine Mama ist super versorgt, aber ich könnte neben der Pflege nicht arbeiten gehen."

Mindestsicherung neu geregelt

Hintergrund ist eine Sparmaßnahme der Stadt Wien. Mit 1. Jänner wurden Wohngemeinschaften, Haushalten und Bedarfsgemeinschaften gleichgestellt. Laut MA 40 bekommt jede erwachsene Person, die in einer Wohngemeinschaft lebt, nur noch 70 Prozent statt 100 Prozent Mindestsicherung.

"Alleine würde ich mehr Geld bekommen"

"Alleine würde ich mehr Geld bekommen", kritisiert Christian R. Er hält die Regelung für ungerecht. "Es sind nicht nur Großfamilien aus dem Ausland betroffen, sondern auch viele Wiener, die sich um Angehörige kümmern und deshalb nicht arbeiten gehen können." Die Stadt spare sich durch ihn einen Pflegeheimplatz. Über diese Fälle sei bisher kaum berichtet worden.

Fall geht vor Gericht

Der 62-Jährige hat gegen die Kürzung Beschwerde bei der MA 40 eingelegt. Nun liegt der Fall beim Verwaltungsgerichtshof — entscheiden müssen die Richter.

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