Liedermacher ganz allein

30. Album von Reinhard Mey – es wird eine Premiere

Mit "Schatzhauser" kündigt Reinhard Mey sein mittlerweile 30. Album an. Dennoch handelt es sich dabei um eine Premiere.
Jochen Dobnik
25.03.2026, 16:26
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Der große Liedermacher Reinhard Mey meldet sich eindrucksvoll zurück – und das mit einem ganz besonderen Werk.

Mit "Schatzhauser" kündigt er sein mittlerweile 30. Studioalbum an und setzt dabei ein klares Zeichen: zurück zu den Wurzeln, zurück zur puren Essenz seiner Musik.

Fast 60 Jahre nach seinem Debüt "Ich wollte wie Orpheus singen" zeigt sich ein bemerkenswerter Kreis. Ein Blick auf das erste LP-Cover von 1967 zeigt einen jungen Mey, damals 24 Jahre alt, allein mit seiner Gitarre vor einer Ruinenkulisse. Genau dieses Bild hat seine Karriere geprägt: der Barde, sein Lied und sonst nichts.

Auch wenn bereits auf seinem Debütalbum Musiker im Studio beteiligt waren und Mey im Laufe der Jahrzehnte mit Orchestern experimentierte, moderne Klangwelten ausprobierte und seine Songs immer wieder neu arrangierte, blieb eines stets unverändert – das Lied stand im Mittelpunkt.

Mit "Schatzhauser" geht er diesen Weg nun konsequenter denn je. Zum ersten Mal überhaupt hat Mey ein Album vollständig allein im Studio aufgenommen – ohne Begleitmusiker, ohne große Arrangements, ganz reduziert auf Stimme, Text und Gitarre.

Inhaltlich bleibt sich der Ausnahmekünstler treu und widmet sich den großen Fragen des Lebens.

Erstmals seit rund 40 Jahren erscheint ein neues Werk nicht im Mai, sondern im September.
Universal Music

Seine Lieder erzählen von Abschied und Vergänglichkeit, aber ebenso von Liebe, Hoffnung und Zuversicht.

Dabei taucht Mey tief in melancholische Stimmungen ein, schafft es jedoch, seine Hörerinnen und Hörer nicht in der Schwere zurückzulassen, sondern mit einem Gefühl von Wärme und innerer Ruhe.

Der Titel "Schatzhauser" ist dabei bewusst gewählt und verweist auf eine Figur aus der Literatur von Wilhelm Hauff – eine freundliche, weise und gütige Gestalt. Diese Haltung spiegelt sich im gesamten Album wider, das weder das Leben noch den Tod ausspart, sondern beides als untrennbar miteinander verbunden begreift.

Ein zentrales Bild zieht sich durch das Werk: der Sonnenuntergang. Er steht für das Ende eines Tages, aber auch für dessen Schönheit. Gerade ein Sommerabend im Norden kann sich lange ziehen – das Licht verschwindet nur langsam. Genau diese Stimmung trägt auch das Album: leise, nachdenklich, aber voller Tiefe.

Geboren 1942 in Berlin, prägt der Sänger seit Jahrzehnten die deutschsprachige Musikszene wie kaum ein anderer. In seinen Liedern verarbeitet er persönliche Erfahrungen ebenso wie gesellschaftliche Themen.

Die Netflix-Doku über Haftbefehl hat Ende 2025 eine regelrechte Mey-Renaissance ausgelöst. Schuld daran ist eine Szene, in der der Rapper über Meys Stück "In meinem Garten" spricht. 55 Jahre später wurde die ruhige Ballade zum Hype in den sozialen Medien – und vor allem bei sehr jungen Menschen.

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