Der erste Wagen in der Taxi-Schlange vor dem Hauptbahnhof. Was in Wien bereits seit Monaten für heftige Debatten über Wucher-Preise bis hin zum Vorwurf einer "Taxi-Mafia" sorgt, scheint auch in Zürich ein Problem zu sein. Diese Erfahrung musste ein Kantonsrat der Schweizer Volkspartei (SVP) nun machen, als er mit seiner Familie aus dem Urlaub zurückkehrte.
Der Schweizer SVP-Politiker Ueli Bamert stieg am Zürcher Hauptbahnhof in ein Taxi. Doch schon nach wenigen Minuten war die Fahrt für ihn und seine Begleitung wieder vorbei.
Nach knapp einem Kilometer seien bereits 40 Franken auf dem Taxameter gestanden, schildert der Zürcher Kantonsrat in einem Facebook-Video. Als der Betrag wenig später auf rund 70 Franken (rund 75 Euro) kletterte, zog Bamert die Reißleine. "Wir sind ausgestiegen und haben gezahlt - wir konnten nicht anders", berichtet der Politiker.
Besonders ärgerlich: Die gesamte Strecke vom Hauptbahnhof bis zu Bamerts Wohnung hätte weniger als zehn Minuten gedauert. Für eine solche Fahrt wären aus seiner Sicht 30 bis 40 Franken angemessen gewesen. Stattdessen hätte die komplette Strecke laut seiner Schätzung mehr als 100 Franken gekostet.
Der Co-Präsident der SVP Stadt Zürich spricht von "Wucherpreisen" und will nun politische Schritte prüfen. Einen entsprechenden Vorstoß schließt er nicht aus.
Dabei betont Bamert, dass er keineswegs die gesamte Taxibranche kritisieren wolle. Einzelne "schwarze Schafe" würden jedoch dem Ruf der Branche und auch dem Tourismus schaden.
Das Problem ist offenbar kein Einzelfall. Bei der Taxi-Sektion Zürich gehen nach eigenen Angaben jede Woche Beschwerden über überhöhte Fahrpreise ein.
Hintergrund ist eine Gesetzesänderung: Seit 2024 gibt es im Kanton Zürich keine Preisobergrenze mehr. Einzelne Anbieter verlangen laut dem Taxiverband mittlerweile zehn Franken Grundgebühr, acht Franken pro Kilometer und zusätzlich zwei Franken pro Minute.
Der Verband hatte die zuständige Regierungsrätin Carmen Walker Späh bereits auf die Missstände aufmerksam gemacht. Eine neuerliche Preisobergrenze lehnte sie im März jedoch vorerst ab.
Unter dem Facebook-Video des Politikers berichten zahlreiche Nutzer von ähnlichen Erlebnissen. Einige kündigen an, künftig nur noch Fahrdienste wie Uber zu verwenden. Dort wird der Fahrpreis bereits vor der Buchung angezeigt. Ein User kommentierte: "Das Tragische daran ist, dass wir zukünftig nur noch Uber bestellen. Da ist alles sauber deklariert und abgerechnet. Adieu Taxi, es war schön, aber so nicht."
Doch auch dort gibt es Probleme. Uber-Fahrer protestierten bereits 2025 gegen sinkende Fahrpreise, steigende Betriebskosten und die wachsende Konkurrenz.
Für Bamert steht jedenfalls fest: Eine gewöhnliche Taxifahrt darf nicht zum Luxus werden. Ob sein Erlebnis nun politische Konsequenzen hat, bleibt abzuwarten.