Ein einziger Kommentar auf Facebook hätte ihn das Leben kosten können! Der Gastarbeiter Anojan Sivarasa aus Sri Lanka wurde am 17. September in Saudi-Arabien zum Tode verurteilt. Der Vorwurf: Blasphemie gegen den Islam und den Propheten Mohammed. Nach internationalen Protesten und diplomatischem Druck wurde das Todesurteil nun aufgehoben.
Auslöser war laut BBC ein Streit auf Facebook. Ein anderer Nutzer soll sich abfällig über eine hinduistische Gottheit geäußert haben. Sivarasa reagierte darauf mit einer beleidigenden Bemerkung über den Propheten Mohammed.
Obwohl der junge Mann seinen Kommentar umgehend löschte und sich öffentlich entschuldigte, kannte die saudische Justiz keine Gnade. Ein Gericht verurteilte ihn zum Tod.
Die Entscheidung sorgte weltweit für Entsetzen. Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte das Urteil scharf. Saudi-Arabien-Experte Joey Shea sprach von einer "ungeheuerlichen Überreaktion" der Behörden. Niemand dürfe wegen einer religiösen Äußerung hingerichtet werden.
Die Regierung Sri Lankas setzte sich daraufhin mit diplomatischen und rechtlichen Mitteln für den Gastarbeiter ein. Mit Erfolg: Am Dienstag (13. Oktober) hob der Oberste Gerichtshof Saudi-Arabiens das Todesurteil auf.
Sri Lankas Vizeaußenminister Arun Hemachandra bestätigte die Entscheidung am Mittwoch und bedankte sich bei den saudischen Behörden für ihre Zusammenarbeit. Ob Sivarasa nun tatsächlich freikommt, ist allerdings noch völlig offen. Unklar ist auch, ob ihm eine andere Strafe droht. Seine Familie hatte seit Ende September keinen Kontakt mehr zu ihm.
Saudi-Arabien steht wegen seiner strengen Gesetze und der zahlreichen Hinrichtungen seit Jahren international in der Kritik. Laut Amnesty International zählt das Königreich zu den Staaten mit besonders vielen vollstreckten Todesurteilen.
Die Todesstrafe wird dort unter anderem bei Drogendelikten verhängt. Im Schnitt wird beinahe jeden Tag ein Mensch hingerichtet. Als Hinrichtungsmethode kommt auch die Enthauptung mit dem Schwert zum Einsatz.
Für Anojan Sivarasa ist die drohende Hinrichtung vorerst vom Tisch. Wann er seine Familie wiedersehen darf, weiß aber weiterhin niemand.