Papst Leo XIV. (71) hat seine Lungenkrebs-Operation am Dienstag gut überstanden. Die Ärzte entfernten dem Kirchenoberhaupt den gesamten Unterlappen des rechten Lungenflügels. Der Eingriff dauerte rund 90 Minuten und verlief laut Vatikan ohne Komplikationen. Doch wie ernst ist die Erkrankung wirklich? Und kann der Papst wieder vollständig gesund werden?
Wir haben bei Prim. Priv.-Doz. Dr. Georg-Christian Funk nachgefragt. Der Facharzt für Innere Medizin, Lungenkrankheiten und Intensivmedizin leitet die Lungenabteilung der Klinik Ottakring in Wien.
Seine Einschätzung macht Hoffnung: "Sollte sich bestätigen, dass weder Lymphknoten noch andere Organe betroffen sind, bestehen gute Aussichten auf eine langfristige Heilung." Auch der kurze, komplikationslose Eingriff sei ein positives Zeichen. Bis zur vollständigen Erholung könnten allerdings mehrere Monate vergehen.
Im "Heute"-Interview erklärt der Wiener Lungenexperte, wie gut die Heilungschancen tatsächlich stehen und welche Folgen der Eingriff für den 71-jährigen Pontifex haben könnte.
"Heute": Was bedeutet die Diagnose Lungenadenokarzinom?
Georg-Christian Funk: Ein Adenokarzinom ist der häufigste Typ von Lungenkrebs. In dem Wiener Lungenkrebsregister "LALUCA" machen Adenokarzinome mehr als die Hälfte aller Lungenkrebsfälle aus. Sie gehören zur Gruppe der sogenannten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome und wachsen im Allgemeinen langsamer als die aggressiveren kleinzelligen Tumoren. Der Tumor entsteht direkt aus Zellen der Lunge und ist somit der Ursprung der Erkrankung, nicht eine Absiedelung (Metastase) eines Krebses aus einem anderen Organ.
„Wird ein Adenokarzinom in einem frühen Stadium entdeckt und vollständig entfernt sind die Heilungschancen ausgezeichnet“Georg-Christian Funk Leiter der Lungenabteilung, Klinik Ottakring
"Heute": Wie sind die Heilungschancen bei Lungenkrebs?
Funk: Die Heilungschancen hängen vor allem von vier Faktoren ab: 1. Stadium bei Diagnosestellung, 2. Befall von Lymphknoten; 3. Vorliegen von Fernmetastasen; 4. Begleit-Erkrankungen und allgemeine Fitness. Wird ein Adenokarzinom in einem frühen Stadium entdeckt und vollständig entfernt, sind die Heilungschancen ausgezeichnet und viele dieser Patient*innen gelten danach als dauerhaft geheilt.
"Heute": Wie wichtig ist es, dass der Tumor offenbar in einem frühen Stadium entdeckt wurde?
Funk: Das ist eine gute Nachricht für den Patienten. Bei vielen Patient*innen wird Lungenkrebs erst entdeckt, wenn bereits Husten, Gewichtsverlust, Atemnot oder Metastasen auftreten. Wenn ein Tumor hingegen zufällig bei einer Kontrolluntersuchung gefunden wird, bevor Beschwerden bestehen, ist die Chance deutlich größer, dass die Erkrankung auf die Lunge begrenzt ist.
„Dass die Operation nur etwa 90 Minuten dauerte und komplikationslos verlief, spricht eher für (...) einen lokal begrenzten Befund“Georg-Christian Funk Leiter der Lungenabteilung, Klinik Ottakring
"Heute": Wie komplex ist ein rund 90-minütiger Eingriff wie beim Papst?
Funk: Die Entfernung eines Lungenlappens (Lobektomie) ist ein größerer chirurgischer Eingriff und erfordert ein hochspezialisiertes Team aus Thoraxchirurg*innen, Anästhesist*innen und Intensivmediziner*innen. Gleichzeitig handelt es sich in spezialisierten Zentren um einen häufigen Routineeingriff. Die Tatsache, dass die Operation nur etwa 90 Minuten dauerte und laut Angaben komplikationslos verlief, spricht eher für günstige operative Bedingungen und einen lokal begrenzten Befund.
"Heute": Kann man nach Entfernung des rechten Unterlappens normal weiterleben?
Funk: Ja, in den allermeisten Fällen. Die rechte Lunge besteht aus drei Lappen. Beim Papst wurde nach Angaben des Vatikans der rechte untere Lappen entfernt. Die verbleibenden Lungenabschnitte übernehmen anschließend einen Teil der Funktion. Dies geht v.a. dann gut, wenn die Lunge nicht durch Zigarettenrauch geschädigt ist. Besonders fitte Menschen können oft wieder nahezu ihr gewohntes Aktivitätsniveau erreichen. Lediglich bei starker körperlicher Belastung kann die verringerte Lungenreserve auffallen.
„Insgesamt deuten die bisher bekannten Informationen auf einen vergleichsweise günstigen Verlauf hin.“Georg-Christian Funk Leiter der Lungenabteilung, Klinik Ottakring
"Heute": Gehen histologische Untersuchungen bei jedem Patienten so schnell?
Funk: Während einer Operation kann eine sogenannte Schnellschnittuntersuchung durchgeführt werden. Dabei wird eine Gewebeprobe sofort untersucht und das Team der Pathologie gibt innerhalb weniger Minuten eine vorläufige Einschätzung, ob es sich um Krebs handelt. Das hilft dem Chirurgen zu entscheiden, wie umfangreich die Operation sein soll. Die endgültige Diagnose ist jedoch deutlich genauer und benötigt normalerweise mehrere Tage. Zusätzlich werden oft molekulargenetische Untersuchungen durchgeführt, deren Ergebnisse ebenfalls erst später vorliegen.
"Heute": Wie lange ist die Erholungsphase nach einem solchen Eingriff?
Funk: Die erste Erholung erfolgt meist innerhalb weniger Tage im Krankenhaus. Bis sich Patient*innen wieder weitgehend belastbar fühlen, vergehen häufig vier bis acht Wochen. Bei älteren Menschen kann die vollständige Erholungs- und Genesungsphase auch mehrere Monate dauern. Die individuelle Erholung hängt stark von Alter, Vorerkrankungen und körperlicher Fitness ab. Rehabilitation mit körperlichem Training hilft sehr bei der Erholung nach so einer Operation.
"Heute": Ist eine Chemotherapie nötig?
Funk: Das lässt sich anhand der vorliegenden Information derzeit nicht sagen. Bei einem sehr kleinen Tumor ohne Lymphknotenbefall kann die Operation allein ausreichend sein. Finden sich Risikofaktoren, kann eine Chemotherapie, Immuntherapie oder zielgerichtete Therapie empfohlen werden.
„Sollte sich bestätigen, dass weder Lymphknoten noch andere Organe betroffen sind, bestehen gute Aussichten auf eine langfristige Heilung“Georg-Christian Funk Leiter der Lungenabteilung, Klinik Ottakring
"Heute": Wie ist die Prognose in derartigen Fällen?
Funk: Nach den bisher veröffentlichten Informationen erscheint die Situation insgesamt eher günstig. Dafür sprechen mehrere Faktoren: Der Tumor wurde offenbar in einem sehr frühen Stadium entdeckt, der betroffene Unterlappen der rechten Lunge konnte vollständig entfernt werden, die Operation verlief nach Angaben des Vatikans ohne Komplikationen, und bislang wurden keine Hinweise auf Fernmetastasen bekannt. All dies sind Umstände, die grundsätzlich mit einer besseren Prognose verbunden sind.
Dennoch ist zum jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließende Aussage über die langfristigen Heilungsaussichten möglich. Für eine genaue Prognose benötigen die behandelnden Ärzt*innen weitere Informationen aus der feingeweblichen und molekularen Untersuchung des entfernten Gewebes. Dabei spielen insbesondere die tatsächliche Größe des Tumors, ein möglicher Befall von Lymphknoten, genetische beziehungsweise molekulare Eigenschaften des Tumors sowie die Frage, ob weitere Tumorherde vorhanden sind, eine entscheidende Rolle. Erst diese Befunde erlauben eine verlässliche Einschätzung des Rückfallrisikos und der Notwendigkeit weiterer Behandlungen wie einer Chemo-, Immun- oder zielgerichteten Therapie.
Insgesamt deuten die bisher bekannten Informationen auf einen vergleichsweise günstigen Verlauf hin. Die endgültige Prognose hängt jedoch von den noch ausstehenden pathologischen Untersuchungsergebnissen ab.
"Heute": Wie würden Sie als Lungenfacharzt den bisherigen Verlauf zusammenfassen?
Funk: Aus meiner Sicht sind die bisher bekannten Nachrichten überwiegend ermutigend: Ein häufig behandelbarer Typ von Lungenkrebs wurde offenbar zufällig und sehr früh entdeckt, rasch operiert und vollständig entfernt. Sollte sich bestätigen, dass weder Lymphknoten noch andere Organe betroffen sind, bestehen gute Aussichten auf eine langfristige Heilung. Gleichzeitig muss man die endgültigen pathologischen Befunde abwarten, bevor eine verlässliche Prognose gestellt werden kann.