Ein gewaltiger Betrugsfall erschüttert die Waldviertler Werkstätten in Schrems (Gmünd)! Ein ehemaliger kaufmännischer Mitarbeiter soll mehr als 800.000 Euro auf eigene Konten umgeleitet haben. Seit 30. Oktober sitzt der Mann in Untersuchungshaft, wie der "Kurier" berichtet.
Besonders brisant: Der mutmaßliche Betrug blieb monatelang unentdeckt. Selbst Wirtschaftsprüfer bemerkten die verdächtigen Geldflüsse nicht. Dabei soll der Mann Dutzende Konten in mehreren Ländern eingerichtet haben.
Aufgeflogen ist der Fall durch eine ungewöhnliche Entdeckung. Die Waldviertler Werkstätten hatten auf Facebook Werbung für einen Online-Flohmarkt gebucht. Doch die Umsätze blieben aus. Geschäftsführer Paul Tritscher und Vertriebsleiter Hans Schwar stellten bei einer Überprüfung fest, dass die Werbung gar nicht geschaltet worden war. Der Zahlungsdienstleister hatte das Konto wegen verdächtiger Vorgänge vorübergehend gesperrt.
Am 14. September entdeckte ein EDV-Mitarbeiter schließlich einen Fehlbetrag von rund 250.000 Euro. Weitere Nachforschungen brachten das volle Ausmaß ans Licht: Insgesamt sollen mehr als 800.000 Euro verschwunden sein.
Laut "Kurier" soll der Verdächtige Gelder über angebliche Rückzahlungen für stornierte Online-Bestellungen abgezweigt haben. Die Überweisungen versteckte er offenbar zwischen zahlreichen regulären Buchungen. Teilweise soll er sogar Geld an die Firma zurücküberwiesen haben, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen. Später soll sich der Mitarbeiter auch an Lieferantengeldern bedient haben. Die einzelnen Beträge blieben dabei unter 10.000 Euro, denn ab dieser Grenze galt im Unternehmen das Vier-Augen-Prinzip.
Am 15. September erstattete die Firma Anzeige. Am 5. Oktober wurde der Mitarbeiter gekündigt, am 30. Oktober folgte die Festnahme. Die Kripo und die Staatsanwaltschaft Krems ermitteln. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Für die Waldviertler Werkstätten hat der mutmaßliche Betrug massive finanzielle Folgen. Firmenchef Heini Staudinger bestätigte gegenüber dem "Kurier", dass die fehlenden Gelder zu Liquiditätsengpässen geführt haben.
Das Unternehmen musste Rücklagen auflösen, Kredite aufnehmen und längere Zahlungsfristen mit Lieferanten vereinbaren. Sogar eine Liegenschaft in Klagenfurt wurde verkauft. Der laufende Geschäftsbetrieb sei allerdings nicht beeinträchtigt. Staudinger hofft aktuell, das Geld zurückzubekommen. "Wir gehen davon aus, dass das Geld noch da ist", erklärte er gegenüber dem "Kurier".