Sie sind klein, stachelig und gehören zu den beliebtesten Wildtieren Österreichs. Doch ausgerechnet jetzt beginnt für viele Igelbabys die gefährlichste Zeit ihres Lebens. Während die Jungtiere ihre Nester verlassen und auf eigene Faust nach Nahrung suchen, lauern in heimischen Gärten zahlreiche Gefahren – vom Rasenmäher bis zum Planschbecken.
„Unsere Gärten stellen für Igel einen echten Rückzugsort dar, doch gerade zu dieser Jahreszeit bergen bestimmte Bereiche auch Gefahren.“Daniel GottschalkGartenexperte, MyHammer
Der Schutz der kleinen Wildtiere wird immer wichtiger. Denn auch in Österreich geht der Bestand des Westeuropäischen Igels seit Jahren zurück. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat die Art deshalb 2024 erstmals als "potenziell gefährdet" eingestuft. Als Hauptursachen gelten der Verlust von Lebensräumen durch Verbauung, intensive Landwirtschaft und der Rückgang von Insekten als Nahrungsquelle. Schätzungen zufolge sind die Bestände in Teilen Europas innerhalb von zehn Jahren um bis zu 50 Prozent eingebrochen.
Dabei ist die Sympathie für die kleinen Stacheltiere groß. Laut einer Umfrage finden 91 Prozent der Befragten Igel niedlich, fast jeder Zweite bezeichnet sie sogar als sein Lieblingswildtier. Rund 65 Prozent geben an, den Igeln in ihrer Umgebung aktiv helfen zu wollen.
Viele Gartenbesitzer wissen allerdings nicht, dass alltägliche Gartenarbeiten für die Tiere schnell lebensgefährlich werden können. Besonders wichtig ist deshalb ein genauer Blick, bevor gemäht, getrimmt oder aufgeräumt wird. Igelnester befinden sich häufig unter Gartenhäusern, in dichten Hecken, Brombeersträuchern, hohem Gras oder in Laub- und Reisighaufen. Werden diese Verstecke versehentlich zerstört, sind die Jungtiere oft schutzlos.
Planschbecken und Gartenteiche können für die kleinen Tiere zur tödlichen Falle werden, wenn sie keine Möglichkeit haben, wieder herauszuklettern. Experten empfehlen deshalb, Planschbecken über Nacht abzudecken oder eine kleine Ausstiegshilfe, etwa in Form einer Rampe, bereitzustellen.
Auch chemische Pflanzenschutzmittel und Schneckenkorn stellen ein erhebliches Risiko dar. Sie vergiften nicht nur Schädlinge, sondern können die gesamte Nahrungskette belasten. Wer seinen Garten igelfreundlich gestalten möchte, setzt besser auf natürliche Alternativen wie Bierfallen oder Kaffeesatz zur Schneckenbekämpfung.
Eine oft unterschätzte Gefahr sind außerdem offene Abflüsse oder Lichtschächte. Fallen Igel hinein, schaffen sie es meist nicht mehr aus eigener Kraft heraus. Abdeckungen oder provisorische Sicherungen können hier Leben retten.
Auch Haustiere sollten nicht unterschätzt werden. Selbst gutmütige Hunde können Igel beim Spielen schwer verletzen. Wer seinen Hund in der Dämmerung oder nachts in den Garten lässt, sollte ihn deshalb möglichst beaufsichtigen.
Schon mit wenigen einfachen Maßnahmen können Gartenbesitzer einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leisten. Wild wachsende Gartenecken, ein Igelhaus oder das Absichern potenzieller Gefahrenstellen schaffen wertvolle Rückzugsorte für die Tiere. Gerade jetzt, wenn die Igelbabys ihre ersten Erkundungstouren unternehmen, kann etwas Aufmerksamkeit den entscheidenden Unterschied machen.