Der Herbst bringt nicht nur bunte Blätter und kühlere Nächte. Für Österreichs Frösche, Kröten und andere Amphibien beginnt jetzt eine gefährliche Wanderung: Im September und Oktober machen sich erwachsene Tiere und Jungtiere auf den Weg zurück in ihre Winterquartiere.
Ihr Ziel sind geschützte Plätze in Wäldern und Hecken. Dort suchen sie Unterschlupf in Laubhaufen, unter Totholz oder sogar im Erdreich. Doch auf dem Weg dorthin lauert eine tödliche Barriere: die Straße.
Amphibien zählen weltweit zu den besonders gefährdeten Tiergruppen. Rund 41 Prozent der Arten sind bedroht. Auch in Österreich ist die Lage ernst: Laut Naturschutzbund stehen sämtliche heimischen Amphibienarten auf der Roten Liste.
Für viele Tiere ist der Straßenverkehr eine zusätzliche Gefahr. Jährlich fallen Millionen Lurche dem Verkehr zum Opfer. Besonders betroffen sind Arten wie Grasfrosch, Erdkröte und Springfrosch, die über große Lebensräume hinweg immer wieder dieselben Laichplätze aufsuchen.
Das Risiko hängt unter anderem davon ab, wie breit die Fahrbahn ist, wie viele Autos unterwegs sind und wie schnell diese fahren. Auch entscheidend ist, wie lange die Tiere brauchen, um die Gefahrenzone zu verlassen.
Während die Amphibien im Frühjahr zu ihren Laichgewässern wandern, führt sie ihre Route im Herbst wieder zurück in die Winterquartiere. Besonders milde und feuchte Nächte sind für die Tiere attraktiv – ausgerechnet dann, wenn schlechte Sicht und nasse Fahrbahnen auch für Autofahrer eine Herausforderung darstellen.
Hinzu kommt, dass es im Herbst bereits deutlich früher dunkel wird. Damit überschneidet sich die Wanderung der Amphibien häufig mit dem abendlichen Berufsverkehr.
Der Naturschutzbund appelliert daher an Autofahrer, in bekannten Amphibien-Wandergebieten besonders aufmerksam zu sein. Hinweisschilder und Schutzzäune sollten ernst genommen werden.
Vor allem bei Regen und Dunkelheit sei vorsichtiges Fahren wichtig, erklärt Carolina Trcka-Rojas vom Naturschutzbund Österreich. "Die Anzahl der Kollisionsopfer kann durch eine Geschwindigkeitsreduktion – möglichst auf unter 30 km/h – deutlich reduziert werden."
Sobald der erste Frost kommt, endet die Wanderung abrupt. Bis dahin gilt auf manchen Straßen also: Augen auf – denn zwischen Fahrbahnrand und Winterquartier sind derzeit weit mehr Tiere unterwegs, als Autofahrer vermuten.