Was als spektakuläres Erlebnis mit einem Großraubtier verkauft wurde, sorgt nun für heftige Kritik. Bei einem sogenannten Wildtier-Shooting Ende August soll der erst 14 Monate alte Tiger "Fritz" laut der Tierschutzorganisation VETO während der rund einstündigen Veranstaltung mehrfach gewaltsam an der Halsleine gezogen worden sein.
Der Vorwurf richtet sich gegen den Dompteur von Melody's Circusland. VETO hat deshalb bei der Staatsanwaltschaft Bonn Strafanzeige wegen des Verdachts der Tierquälerei sowie wegen nicht artgemäßer Unterbringung der Tiger erstattet.
VETO veröffentlichte am Mittwoch Aufnahmen des Shootings und erhebt schwere Vorwürfe. Demnach sei der junge Tiger wiederholt ruckartig an der Leine gezogen worden, um ihn für die Teilnehmer gefügig zu machen.
Die Organisation wirft dem Dompteur vor, "Fritz" über dessen Belastungsgrenze hinausgetrieben zu haben. Dahinter seien finanzielle Interessen gestanden, so der Vorwurf von VETO. Eine Anfrage der Tierschutzorganisation an den Dompteur blieb laut Aussendung bislang unbeantwortet.
Scarlett Treml von VETO zieht einen direkten Vergleich zu umstrittenen Tigershootings in Thailand. "Jeder empört sich über Tigershootings in Thailand, während genau derselbe Irrsinn bei uns in Deutschland ganz legal passiert."
„Jeder empört sich über Tigershootings in Thailand, während genau derselbe Irrsinn bei uns in Deutschland ganz legal passiert.“
VETO spricht von einer Undercover-Recherche und kritisiert, dass hinter solchen Fotos Dressur und Einschüchterung stehen würden. "Hinter jedem Foto steht eine Dressur, die auf Angst, Gewalt und Einschüchterung basiert."
Hinter dem aktuellen Fall steht eine größere Debatte: In Deutschland gibt es laut VETO kein bundesweites Gesetz, das Zucht, Handel oder Haltung von Großkatzen in Zirkussen oder in Privathand grundsätzlich verbietet.
Das Sächsische Oberverwaltungsgericht bestätigte im Juli 2026, dass Behörden solche Vorhaben nicht allein deshalb untersagen können, weil es um Großkatzen geht. Entscheidend sind unter anderem Sachkunde und die Einhaltung der geltenden Mindestanforderungen bei der Haltung. Auch beim Gastspiel von Circus Krone in Hamburg spielt diese Rechtslage eine Rolle.
Nach Angaben von PETA soll der Betreiber von Melody's Circusland zwischen 2018 und 2024 insgesamt 14 Tiger gezüchtet haben. Die meisten Tiere seien an andere Betriebe abgegeben worden, unter anderem nach Sachsen, Polen und Belgien.
Wie problematisch die Haltung von Großkatzen sein kann, zeigte sich laut den von VETO angeführten Quellen auch im Mai dieses Jahres bei Leipzig: Ein Tiger aus der Haltung einer Dompteurin tötete einen Helfer. Das Tier wurde anschließend von der Polizei erschossen.
Parallel zur Strafanzeige fordert VETO Landwirtschaftsminister Alois Rainer in einer Petition dazu auf, Tiere in Zirkussen bundesweit zu verbieten.
Ob es im Fall des Tigers "Fritz" zu einem Strafverfahren oder weiteren Konsequenzen kommt, ist offen. Zunächst müssen die erhobenen Vorwürfe von den zuständigen Behörden geprüft werden.