Manchmal sind es die großen neuen Anlagen, manchmal zwei zusätzliche Kühlschränke hinter den Kulissen. Im Tiergarten Schönbrunn sollen viele einzelne Maßnahmen dazu beitragen, das Wohlbefinden der Tiere weiter zu verbessern. Jetzt hat der Wiener Zoo dafür erneut internationale Anerkennung erhalten.
Pünktlich zum Welttierschutztag am 4. Oktober wurde die Global-Humane-Zertifizierung für den Tiergarten Schönbrunn bestätigt. Bereits im Vorjahr hatte Schönbrunn das Gütesiegel als erster Zoo Österreichs erhalten.
Vergeben wird die Zertifizierung von der Global Humane Society, dem internationalen Teil der American Humane Society. Bei der neuerlichen Überprüfung wurden laut Tiergarten neben dem aktuellen Tierbestand auch neue Anlagen und Verbesserungen seit der ersten Zertifizierung berücksichtigt. Dazu zählt etwa die neue Anlage für asiatische Gebirgstiere, in der Himalaya-Tahre und erstmals auch die gefährdeten Goldtakine leben. Für die von der Ausrottung bedrohten Onager wurde wiederum eine Steppenlandschaft geschaffen.
Auch ein Stück Schönbrunner Geschichte bekam eine neue Aufgabe: Der historische Bärenkäfig wurde zu einer modernen Anlage für Feldhamster und Blauracken, zwei stark bedrohte heimische Arten, umgestaltet: "Für uns ist es eine wichtige Bestätigung, dass wir bei der Weiterentwicklung des Tiergartens das Tierwohl konsequent mitdenken", erklärt Tiergartendirektor Stephan Hering-Hagenbeck.
Dass Verbesserungen nicht immer für Besucher sichtbar sein müssen, zeigt ein anderes Beispiel: Nach Anregungen aus dem ersten Zertifizierungsprozess wurden zwei Auftau-Kühlschränke angeschafft. Darin kann Fisch für Mähnenrobben und Pinguine vorbereitet werden.
Auch beim sogenannten Enrichment, also der Beschäftigung und geistigen Anregung der Tiere, testet Schönbrunn ein neues System: Ein Plan soll den Tierpflegern künftig zeigen, welche Beschäftigungsangebote zuletzt eingesetzt wurden und welche besonders gut funktioniert haben. Dadurch sollen die Tiere regelmäßig unterschiedliche und sinnvolle Anreize erhalten.
Für Hering-Hagenbeck ist die neuerliche Auszeichnung deshalb kein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen. "Das Wohl unserer Tiere erfordert stetige Aufmerksamkeit und Weiterentwicklung", betont der Direktor.