Der Griff zum alkoholfreien Bier wird immer beliebter. Ob im Gastgarten, beim Grillabend oder nach dem Sport: Wer auf Alkohol verzichten möchte, muss längst nicht mehr auf den Biergeschmack verzichten.
Doch wie gesund ist Bier ohne Alkohol tatsächlich? Eine aktuelle Studie deutscher Forscher sorgt nun für Diskussionen. Sie deutet darauf hin, dass bestimmte Sorten den Blutzucker und andere Stoffwechselwerte beeinflussen können.
Für die im Fachjournal "Nutrients" veröffentlichte Untersuchung beobachtete ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum 44 gesunde Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren. 32 Teilnehmer tranken vier Wochen lang täglich 660 Milliliter alkoholfreies Bier – entweder Pils, Radler oder Weißbier. Zwölf weitere Teilnehmer tranken ausschließlich Wasser.
Dabei untersuchten die Forscher unter anderem Nüchternblutzucker, Langzeitblutzucker, Blutfettwerte, Insulinproduktion und Körperfettanteil. Das Ergebnis fiel je nach Biersorte unterschiedlich aus.
Beim alkoholfreien Pils stieg der HbA1c-Wert, der als Maß für den durchschnittlichen Blutzucker über einen längeren Zeitraum gilt.
Beim Radler wurden höhere Nüchternblutzucker- und Blutfettwerte festgestellt. Beim Weißbier beobachteten die Forscher unter anderem eine gesteigerte Insulinproduktion und ebenfalls erhöhte Blutfettwerte. Eine mögliche Erklärung sehen die Wissenschaftler im Zuckergehalt.
Alkoholfreies Bier enthält zwar kaum Alkohol, kann aber durchaus Zucker und Kalorien liefern. Entscheidend ist dabei auch die Herstellung.
Wird die Gärung frühzeitig beendet, bleibt mehr Malzzucker im Getränk zurück. Bei anderen Herstellungsverfahren wird der Alkohol erst nach abgeschlossener Gärung entzogen – dadurch kann der Zuckergehalt niedriger sein.
Das bedeutet: "Alkoholfrei" ist nicht gleichbedeutend mit "zuckerfrei". Gerade Menschen, die ihren Blutzucker im Auge behalten müssen, sollten deshalb einen Blick auf die Nährwertangaben werfen.
Die Ergebnisse sorgen zwar für Aufmerksamkeit, sie beweisen allerdings nicht, dass alkoholfreies Bier Diabetes verursacht. Dafür ist die Untersuchung zu klein und zu kurz angelegt. Lediglich 44 Männer nahmen teil, davon tranken 32 alkoholfreies Bier. Beobachtet wurde außerdem nur über vier Wochen. Frauen wurden nicht untersucht.
Auch die Wahl der Kontrollgruppe ist relevant: Die Vergleichsteilnehmer tranken Wasser. Ein Getränk mit Zucker und Kalorien kann gegenüber Wasser naturgemäß andere Stoffwechselreaktionen auslösen.
Der Diabetiker Niedersachsen e.V. weist deshalb auf die begrenzte Aussagekraft der Untersuchung hin. Auch der Deutsche Brauer-Bund betont, dass die Ergebnisse zwischen den verschiedenen Biersorten unterschiedlich ausfielen und sich daraus keine pauschale Aussage über alkoholfreies Bier ableiten lasse.
Trotz der offenen Fragen bedeutet die Studie nicht, dass alkoholhaltiges Bier plötzlich die bessere Wahl wäre.
Alkohol selbst bringt gesundheitliche Risiken mit sich. Wer auf Alkohol verzichtet, hat daher einen wesentlichen Vorteil. Alkoholfreies Bier kann gegenüber herkömmlichem Bier eine kalorienärmere Alternative sein – abhängig von Sorte und Produkt. Für den täglichen Durst bleibt Wasser allerdings die einfachere Wahl.