Bäume können sprechen. Nicht in Worten, sondern in einer Sprache, die Geduld verlangt. Wer sie versteht, erkennt Zusammenhänge, die weit über Gärten hinausreichen. Einer, der sich dieser stillen Kommunikation verschrieben hat, ist Anton Starkl, Geschäftsführer des Starkl Gartencenters in Tulln.
Der Baumschulbesitzer sieht Pflanzen nicht als Ware, sondern als Partner. "Das Wachsen eines Baumes ist eines der größten Wunder", sagt er. Für ihn sei das keine romantische Verklärung, sondern gelebte Realität.
Seine Wurzeln liegen in einer rund 65 Hektar großen Baumschule im Tullnerfeld – mehr als 90 Fußballfelder. Dort gedeihen tausende Gehölze: heimische Arten ebenso wie Exoten, vom Zimtbaum bis zum Mammutbaum. Doch Starkl kultiviert nicht nur Pflanzen, sondern auch eine Haltung.
Der Betrieb steht für Handwerk und Vision gleichermaßen. Mit dem Projekt "Crazy Trees" stellt Starkl klassische Vorstellungen von Gartenkunst infrage. Kreisverkehre werden zu Bühnen, auf denen Natur skulptural in Szene gesetzt wird. Geflochtene Baumzelte aus Platanenstämmen sind dabei mehr als gestalterische Spielerei.
"Das ist keine Spielerei. Es ist ein Statement gegen die Trennung von Natur und gebautem Raum", erklärt Starkl. Seine Arbeiten irritieren, ziehen an und schaffen Orte, die im Gedächtnis bleiben.
„Es ist ein Statement gegen die Trennung von Natur und gebautem Raum.“
Für Starkl sind Bäume weit mehr als Dekoration. Sie sind essenzieller Bestandteil urbaner Räume: Sauerstoffproduzenten, Schattenspender und natürliche Klimaregulatoren. "Sie sind wohl die unterschätzteste Ressource urbaner Räume", sagt er.
In einer von Effizienz geprägten Zeit setzt Starkl auf ein anderes Prinzip: Zusammenarbeit. "Der Baum ist auf Kooperation ausgelegt, nicht auf Konkurrenz." Diese Haltung prägt auch seine Arbeit als Tischler. Holz ist für ihn kein bloßer Werkstoff, sondern die Fortsetzung eines lebendigen Prozesses.
"Ich gestalte Gewachsenes, ohne dass es seine Herkunft verliert", sagt er. Seine Möbel versteht er als Transformation, nicht als Produkt.
Trotz aller Vision bleibt Starkl bodenständig. Als Vater und Großvater denkt er in Generationen – wie in seiner Baumschule. Zwei seiner Söhne führen den Betrieb bereits weiter. "Wachstum passiert nie allein. Es ist tief verwurzelt in Generationen", sagt er. Diese Überzeugung spiegelt sich auch in seinem Leitsatz wider: "Wer Bäume pflanzt, glaubt an Zukunft."
Was einfach klingt, ist für Starkl radikal: in Zeiträumen zu denken, die über das eigene Leben hinausgehen. Verantwortung zu übernehmen für etwas, dessen Ergebnis man selbst vielleicht nicht mehr erlebt.