Seit Montag ist es offiziell: In einem neuen Ranking ist ORF-Moderator Armin Wolf die Nummer 2 hinter FPÖ-Chef Herbert Kickl. Für beide ist das kaum ein Grund zur Freude, denn es geht um gewerbsmäßigen Betrug. Sie sind die "prominentesten Österreicher in Krypto-Scams".
Sowohl ihre Gesichter als auch Namen werden laut einer APA-Recherche am häufigsten von Betrügern genutzt, um Opfer im Internet abzuzocken.
"Ich schwör's, ich kann nix dafür", schreibt Armin Wolf in einem Facebook-Beitrag dazu. Er appelliert an alle und warnt: "Wenn Sie mich irgendwo auf Social Media in einer Werbung für Krypto-Investments, Diät-Mittel, Potenzpillen oä. sehen – bitte NIEMALS irgendwohin Geld überweisen, sondern die Postings melden. Das ist IMMER Betrug."
Und damit lässt sich offenbar viel Geld machen – denn dahinter steckt eine gewaltige Maschinerie. Die Betrüger haben dabei sogar echte Unternehmensstrukturen auf die Beine gestellt, betreiben Callcenter mit vielen hunderten Mitarbeitern. Auch die äußerst kurzlebigen Webseiten dürften sie in kürzester Zeit erstellen können. Die APA-Journalisten fanden mit einem Cyberdefense-Tool Millionen (!) von Seiten, die ähnliche Strukturen aufwiesen. Eine gemeinsame Quelle konnte zwar nicht nachgewiesen werden, liegt aber anhand der vorliegenden Indizien nahe.
Der Erstkontakt mit den Opfern geschieht durch reißerische Facebook-Werbeanzeigen.
Die Masche ist oftmals dieselbe: Ein Klick auf die Facebook-Anzeige führt auf gefälschte Nachrichtenartikel, die Optik bekannter österreichischer Medien kopieren. Dazu kommen KI-generierte Deepfakes von Prominenten, die angeblich geheime Investment-Tipps verraten. Besonders perfide: Für die Betrugsseiten werden bekannte Gesichter aus Politik, Journalismus und Unterhaltung missbraucht.
Häufig tauchten FPÖ-Chef Herbert Kickl, ORF-Journalist Armin Wolf, Sebastian Kurz, Karl Nehammer, Andreas Babler und Bundespräsident Alexander Van der Bellen in gefälschten Artikeln auf. Auch Moderator Christoph Grissemann wurde immer wieder in manipulierten Screenshots aus "Willkommen Österreich" gezeigt.
In den Fake-Interviews und -Enthüllungsberichten werden vermeintlichen geheime Investment-Tipps verraten. Von schnellen Gewinnen, vollautomatisiertem Krypto-Trading und einer angeblich sicheren Wertanlage ist die Rede. Der Einstieg soll ganz einfach sein: 250 Euro einzahlen, zurücklehnen, Geld verdienen.
"Heute" berichtete bereits vielfach über die Betrugsmasche:
Zusätzlich wird Druck aufgebaut. Denn wer Angst hat, diese Chance zu verpassen (engl. FOMO), der klickt schneller. Genau das ist das Ziel. Die Opfer werden auf betrügerische Trading-Plattformen weitergeleitet. Wer dort seine Telefonnummer hinterlässt, landet in der nächsten Stufe der Masche.
Dann melden sich angebliche Broker. Sie bauen am Telefon Nähe auf, reden von einer geringen Einstiegssumme und versprechen hohe Gewinne. Auf professionell aussehenden Dashboards sehen die Opfer plötzlich, wie ihr Vermögen scheinbar wächst. In Wahrheit ist das Geld längst weg.
In künstlichen WhatsApp-Gruppen gaukeln KI-Chatbots eine aktive Gemeinschaft erfolgreicher Anleger vor. Über Telefon oder Messenger werden Betroffene weiter unter Druck gesetzt. Sie sollen mehr einzahlen, größere Summen investieren, noch einmal nachlegen. Am Ende steht oft der Totalverlust. Doch selbst dann ist die Masche nicht vorbei.
Denn nach dem Verlust melden sich die Täter oft erneut – diesmal als angebliche Anwälte oder Behörden. Sie versprechen, das verlorene Geld zurückzuholen. Auch das ist Betrug. In manchen Fällen nutzen die Täter Fernwartungssoftware, um die Kontrolle über Computer der Opfer zu übernehmen.
Besonders gefährlich ist die Kombination aus Deepfake-Videos, gefälschten Medienseiten und künstlichen WhatsApp-Gruppen. Dort gaukeln KI-Chatbots eine aktive Gemeinschaft erfolgreicher Anleger vor. Alles soll echt wirken. Alles soll Druck erzeugen.
Fazit: Wer bei Facebook mit garantierten Krypto-Gewinnen und Promi-Tipps gelockt wird, sollte sofort misstrauisch werden und die Finger davon lassen. Echte Geldanlagen sind nie todsicher.