Nach Tagen mit hohen Temperaturen wünschen sich viele endlich ein Gewitter – am liebsten ohne Hagel, aber mit viel Regen zur Erfrischung. Doch wie "20 Minuten" berichtet, brachte ein Unwetter in Melbourne, Australien, im Jahr 2016 nicht nur Abkühlung, sondern auch großes Leid.
Mehr als 9.000 Menschen mussten damals wegen Husten und Atemnot ins Spital. Die Krankenhäuser waren völlig überfordert, neun Personen starben. Die Ursache: das sogenannte Thunderstorm Asthma, also Gewitterasthma. Auch in Großbritannien, Italien, Iran und Kanada gab es ähnliche Fälle. Laut Fachleuten handelt es sich dabei um eine besondere Form des allergischen Asthmas.
Asthma-Anfälle können entstehen, wenn ein starkes Gewitter und eine hohe Konzentration von Gräserpollen zusammentreffen. Die genaue Ursache ist noch nicht ganz klar. Eine Theorie besagt: Die Abwinde beim Gewitter drücken besonders viele Pollen in Bodennähe. Das aha! Allergiezentrum erklärt: "Durch die hohe Luftfeuchtigkeit saugen sich die Pollen voll, bis sie aufgrund des osmotischen Drucks bersten."
"Auf diese Weise werden viele kleinste allergene Partikel freigesetzt, die noch tiefer in die Atemwege eindringen können als ganze Pollenkörner", so Georg Schäppi, Stiftungsrat und Vizepräsident bei aha!, der in Australien dazu geforscht hat. Diese winzigen Teilchen heißen Sub-Pollen-Partikel.
Nicht nur Menschen mit Asthma oder Heuschnupfen sind betroffen. Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund können auch Personen Gewitterasthma bekommen, die bisher nie Probleme hatten. Denn die winzigen Sub-Pollen-Partikel sind so klein, dass sie bis in die Bronchien gelangen. Dort lösen sie Juckreiz, Niesen, Husten oder starke Atembeschwerden aus.
Auch bei uns sehen Fachleute einen Zusammenhang zwischen Gewittern und Asthmaanfällen, wie Tagesschau.de mit Verweis auf Forschende aus Berlin und Bayern berichtet. Das aha! Allergiezentrum bestätigt, dass "kurz vor oder zu Beginn eines Sommerregens oder Gewitters" Heuschnupfenreaktionen häufiger auftreten, sagt Schäppi. Dort spricht man sogar von einem "wahren Allergensturm".
Wie oft Gewitterasthma tatsächlich vorkommt, weiß allerdings niemand genau. Die Fälle werden nicht systematisch erfasst.
Gennaro D'Amato, Professor für Lungenheilkunde an der Universität Neapel Federico II, meint, dass Gewitterasthma in Zukunft häufiger werden könnte. "Untersuchungen haben gezeigt, dass Gewitter und ihre zerstörerischen Winde im Zuge des Klimawandels heftiger werden", zitiert ihn The Guardian. Außerdem macht der Klimawandel die Pollen noch aggressiver.
Damit die Beschwerden möglichst gering bleiben, rät Schäppi allen Allergikern: "Bei einem nahenden Gewitter im Haus bleiben und unbedingt die Fenster schließen. Oder unterwegs unbedingt Notfallmedikamente dabeihaben." Erst nach etwa einer halben Stunde kräftigen Regens ist die Gefahr gebannt: "Dann sind die Pollenpartikel aus der Luft gewaschen."
Auch D'Amato hält das für den besten Schutz: "Jene, die sich während des Gewitters in geschlossenen Räumen aufhalten, sind nicht betroffen."