In Österreich werden immer mehr Zahlungen ohne Bargeld erledigt. Trotzdem bleibt das Bargeld wichtig: 55 Prozent aller Transaktionen laufen noch immer mit Münzen und Scheinen ab, beim Umsatz sind es 45 Prozent. Besonders bei kleinen Beträgen bis zehn Euro greifen laut "Kleine Zeitung" 71 Prozent der Leute lieber zum Bargeld. Wenn es aber um Beträge ab 50 Euro geht, zahlen die meisten dann doch digital – meistens mit der Bankomatkarte.
Wie viele Firmen nur mehr Bargeld nehmen, dazu gibt es laut Nationalbank (OeNB) derzeit keine genauen Zahlen. Im Handel ist es üblich, dass Bargeld genauso wie digitale Zahlungsmöglichkeiten akzeptiert wird. In der Gastronomie ist das unterschiedlich, listet die "Kleine Zeitung" auf. Für die OeNB ist aber eines klar: Die Wahlfreiheit beim Bezahlen muss bleiben. Eine grundsätzliche Ablehnung von Bargeld sieht sie kritisch.
Die EU will übrigens, dass Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel noch stärker geschützt wird. Oft verlangen Betriebe bei Kartenzahlung einen Mindestbetrag. Der Grund: die Gebühren. Das ist vor allem bei niedrigen Preisen, wie etwa in einem Eisgeschäft, ein Thema. Die Kosten für die Kartenzahlungen sind da im Verhältnis höher als bei größeren Beträgen. Für viele Betriebe ist Bargeld deshalb günstiger und einfacher.
Natürlich zahlen ältere Menschen öfter bar als Jüngere. Bei den 16- bis 29-Jährigen liegt der Anteil bei 38 Prozent, also deutlich unter dem österreichweiten Durchschnitt von 55 Prozent. Trotzdem gehört Bargeld auch für die Jungen dazu. Von einer "bargeldlosen Generation" kann also keine Rede sein. Was die Obergrenze für Bargeldzahlungen betrifft: Die EU-Anti-Geldwäsche-Verordnung sieht eine Grenze von 10.000 Euro vor.
Diese Regel gilt ab 10. Juli 2027 auch bei uns. Sie betrifft alle, die mit Waren handeln oder Dienstleistungen anbieten, aber nicht private Zahlungen oder Einlagen bei Banken. Laut neuer EU-Richtlinie muss ab 3.000 Euro bei bestimmten Unternehmen die Identität festgestellt werden – das betrifft zum Beispiel Banken, Rechtsanwälte oder Immobilienmakler. Ein Auto kann man also künftig nur mehr bar bezahlen, wenn es weniger als 10.000 Euro kostet, oder wenn es sich um einen Privatverkauf handelt.
Um die Bargeldversorgung in ländlichen Gebieten zu verbessern, hat die OeNB in Kärnten bisher sechs und in der Steiermark 13 neue Bankomaten aufgestellt. Sieben weitere kommen noch dazu. Insgesamt profitieren diese zwei Bundesländer mit 26 Geräten besonders stark von der OeNB-Initiative. Nach dem Aufbau rechnet die OeNB damit, dass über diese neuen Bankomaten jährlich ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag abgehoben wird.
In Kärnten und der Steiermark wird immer noch gern bar gezahlt. In Kärnten greifen 54 Prozent im Geschäft zum Bargeld, 30 Prozent zur Karte. In der Steiermark zahlen 63 Prozent bar, nur 26 Prozent bevorzugen die Karte. Mit dem Handy wird in Kärnten öfter gezahlt als in der Steiermark: Fünf Prozent nutzen mobile Bezahlmöglichkeiten, in der Steiermark sind es nur 1,5 Prozent. In Ländern wie Schweden, wo fast alles digital bezahlt wird, müssen Lebensmittelgeschäfte und Apotheken wieder Bargeld annehmen.
Grund dafür sind Sorgen wegen geopolitischer Krisen und Stromausfällen. Das ist laut Experten auch bei uns ein Argument für Bargeld: Es funktioniert immer, ohne Strom und Internet. Bargeld schützt die Privatsphäre, weil keine Daten weitergegeben werden. Außerdem ist es durch moderne Technik sehr fälschungssicher. Gerade in unsicheren Zeiten gilt Bargeld als Rückgrat des Zahlungsverkehrs.
Im Herbst soll eine neue EU-Verordnung die Annahme von Bargeld verpflichtend machen. Und wie viel Bargeld solltest du zu Hause oder in der Geldbörse haben? Die OeNB empfiehlt, den Betrag von zwei Wocheneinkäufen oder bis zu 100 Euro pro Haushaltsmitglied in kleinen Scheinen griffbereit und sicher zu verwahren. So bist du auch bei einem kurzfristigen Ausfall von Bankomaten oder Internet immer zahlungsfähig.