Pensionist vor Gericht

Kronprinzessin Amalia in Deepfake-Skandal verwickelt

Ein Pensionist soll Sexvideos mit den Gesichtern prominenter Frauen manipuliert und verbreitet haben. Nun muss er sich dafür vor Gericht verantworten.
Newsdesk Heute
20.09.2026, 20:30
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Nach mehr als einem Jahr Ermittlungen erhebt die niederländische Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 74-Jährigen. Der Pensionist soll in seiner Wohnung zahlreiche pornografische Deepfake-Videos hergestellt haben. Betroffen sind nach Angaben der Ermittler rund 60 bekannte Persönlichkeiten und Politikerinnen aus den Niederlanden.

Darunter befinden sich laut der niederländischen Zeitung "AD" Moderatorin Hélène Hendriks, die frühere Polizeisprecherin Ellie Lust und Kronprinzessin Amalia. Der Beschuldigte wurde von der Staatsanwaltschaft bereits über die geplante Anklage informiert. Er befindet sich derzeit nicht in Untersuchungshaft.

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Mehr als 20 Betroffene erstatteten Anzeige

Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine Recherche über die Plattform MrDeepFakes. Daraufhin gingen mehr als 20 Anzeigen ein. Der Pensionist soll eine zentrale Rolle im niederländischen Bereich der Internetseite gespielt haben.

Bei Deepfakes werden Bilder oder Videos mithilfe künstlicher Intelligenz verändert. In diesem Fall sollen die Gesichter realer Frauen ohne deren Einwilligung in pornografische Aufnahmen eingesetzt worden sein. Dadurch entsteht der falsche Eindruck, die Betroffenen seien tatsächlich in den Videos zu sehen.

In den Niederlanden ist die Herstellung und Verbreitung von sexuellen Deepfakes strafbar. Im Fall einer Verurteilung drohen dem 74-Jährigen bis zu zwei Jahre Haft.

Videos mehr als 100.000 Mal angesehen

Bei der Durchsuchung beschlagnahmten Ermittler den Computer und mehrere Speichermedien des Verdächtigen. Darauf fanden sie nach eigenen Angaben manipuliertes Material von etwa 60 prominenten Personen.

Einige der Videos wurden mehr als 100.000 Mal aufgerufen. Sie waren mit vulgären und frauenfeindlichen Titeln versehen. Unter den Aufnahmen sollen Nutzer den Ersteller zudem angefeuert und weitere Frauen als mögliche Opfer vorgeschlagen haben. Auch Mitglieder der niederländischen Königsfamilie waren Ziel solcher Kommentare.

Laut Staatsanwaltschaft war der 74-Jährige der mit Abstand aktivste niederländische Nutzer der Plattform. Er soll für den Großteil jener Videos verantwortlich gewesen sein, die Gegenstand der Strafanzeigen sind. Mit weiteren Festnahmen in den Niederlanden wird derzeit nicht gerechnet.

Moderatorin spricht über die Folgen

Auch Moderatorin Sylvana IJsselmuiden wurde nach eigenen Angaben zum Opfer solcher Manipulationen. Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft begrüßt sie. "Ich finde es sehr gut, dass dieser Fall nun vor Gericht kommt. Ich habe selbst erlebt, welche Auswirkungen solche gefälschten Aufnahmen haben können", sagte sie dem "AD".

Das Problem werde durch die rasche Entwicklung künstlicher Intelligenz noch größer. "Durch KI wird es zunehmend schwieriger, zwischen echt und gefälscht, zwischen Betrug und Deepfakes zu unterscheiden", erklärt IJsselmuiden. "Genau deshalb ist es wichtig, klare Grenzen zu ziehen."

Experte fordert konsequentes Vorgehen

Robbert Hoving vom niederländischen Kompetenzzentrum OffLimits sieht in der Anklage ein wichtiges Signal. Plattformen mit derartigen Inhalten würden auch nach Sperren häufig unter anderen Adressen wieder auftauchen.

"Es ist gut zu sehen, dass die Staatsanwaltschaft entschlossen handelt", sagt Hoving. Seiner Einschätzung nach bieten sowohl das Urheberrecht als auch das Strafrecht Möglichkeiten, gegen die Betreiber und Nutzer vorzugehen. Dafür seien allerdings eine laufende Beobachtung und konsequente Eingriffe notwendig.

Auch die Nutzer solcher Seiten müssten verstehen, dass die Herstellung und Verbreitung der Videos kein harmloser Zeitvertreib sei. "Die Nutzung muss verboten werden. Das ist schlichtweg nicht erlaubt. Punkt. Andernfalls normalisiert man Straflosigkeit. Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden, denn die vermeintliche Straflosigkeit macht es jedem leicht, auf solche Seiten zuzugreifen", so Hoving.

Gründer wird nicht verfolgt

Die niederländischen Ermittler nahmen auch Kontakt zum Gründer von MrDeepFakes auf. Dabei handelt es sich laut "AD" um einen 37-jährigen kanadischen Apotheker. Er soll die Plattform 2018 ins Leben gerufen haben.

Auf Aufforderung der niederländischen Behörden wurden dem Bericht zufolge die beanstandeten Bilder entfernt. Außerdem sperrte die Plattform den Zugriff für Nutzer mit niederländischen IP-Adressen. Später ging die gesamte Seite offline, nachdem ihre Hosting-Anbieter mit den Anzeigen bei der niederländischen Polizei konfrontiert worden waren.

Der kanadische Gründer wird in den Niederlanden nicht strafrechtlich verfolgt. Die ihm vorgeworfene Handlung sei zum damaligen Zeitpunkt in Kanada nicht strafbar gewesen. Zudem wären Auslieferung und internationales Verfahren nach Einschätzung der niederländischen Staatsanwaltschaft mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand verbunden.

Ob der Betreiber und der nun angeklagte Niederländer direkt miteinander in Kontakt standen, ist nicht bekannt. Für den 74-Jährigen gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

red,20.09.2026, 20:30