Ob extreme Unwetter, großflächige Stromausfälle oder Waldbrände: Österreich rüstet seinen Bevölkerungsschutz digital auf. Nach einem seit Mai laufenden Testbetrieb schickten Innenminister Gerhard Karner (ÖVP), Zivilschutzverband-Präsident Andreas Hanger und Reinhard Schnakl, Leiter der Direktion Organisation, Ressourcen- und Krisenmanagement im Innenministerium, die neue Zivilschutz-App "ZIVA" am Montag in den Echtbetrieb.
Das Programm steht ab sofort in allen gängigen App-Stores bereit und ist kostenlos.
"Die neue Zivilschutz-App 'ZIVA' ist einzigartig in Europa – denn sie verbindet Echtzeit-Warnungen und individuelle Vorsorgeempfehlungen auf einer Plattform", so Innenminister Gerhard Karner. Ein modernes Warnsystem brauche es angesichts zunehmender Naturextreme und Katastrophen dringender denn je.
Man müsse davon ausgehen, dass der Bedarf an Informationen im Krisenfall zunehmen werde, "leider", so Karner, der Extremwetterereignisse und die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur als Beispiele nannte. Die Ereignisse der vergangenen Monate hätten gezeigt, dass man mit unterschiedlichsten Gefahren rechnen und vorbereitet sein müsse.
Reinhard Schnakl nannte den Zivilschutz eine gesamtstaatliche Aufgabe und verwies auf hybride Bedrohungen, Hitzerekorde und den Klimawandel. Allein heuer habe es in Österreich bereits 280 Wald- und Flurbrände gegeben, rechnete der Krisenmanager vor. Das neue Tool verstehe sich als sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Systemen wie Sirenen oder dem Handy-Warnsystem AT-Alert.
Nutzer können in der Anwendung bis zu fünf Standorte individuell festlegen – etwa den eigenen Wohnort, den Arbeitsplatz oder die Adressen von Angehörigen. Passend dazu schlägt das System bei akuten Bedrohungen Alarm und liefert abgestimmte Notfallpläne, Risikoanalysen und Anleitungen.
Entwickelt wurde das System unter Beteiligung von 120 Behörden, Einsatzorganisationen und Unternehmen aus ganz Österreich. Die Datenbasis speist sich aus der Bundesanstalt GeoSphere Austria, dem Gefahrenanalysesystem HORA sowie AT-Alert.
Es gehe nicht darum, Verunsicherung zu schaffen, sondern die Bevölkerung bestmöglich auf mögliche Gefahrenszenarien vorzubereiten, so ÖZSV-Präsident Andreas Hanger.
Die Anwendung deckt zwölf konkrete Szenarien von der Hitzewelle bis zum Blackout – einem länger dauernden Ausfall der Energieversorgung – ab. Sie umfasst 400 Empfehlungen und bietet Notfall-Checklisten für den eigenen Haushalt. Alle Daten und Funktionen seien streng datenschutzrechtlich geprüft, versicherte Hanger.
Finanziert wird das Vorhaben über das Zweckzuschussgesetz: Seit 2024 überweist das Innenministerium jährlich zwei Millionen Euro an den Zivilschutzverband und 20 Millionen Euro an Rettungsorganisationen. Ab 2027 soll eine neue Strategie des staatlichen Krisen- und Katastrophenschutzmanagements (SKKM) das Sicherheitsnetz noch weiter verstärken.