Extreme Hitze, verdorrte Wiesen, leere Futtertröge: Die anhaltende Dürre trifft die heimische Landwirtschaft mit voller Härte – besonders prekär ist die Lage im Osten des Landes. "In Ostösterreich hat es uns wirklich am schlimmsten getroffen", schlägt NÖM-Vorstand Alfred Berger im Talk mit "Heute.at" Alarm.
Die Futtererträge seien gebietsweise um 30 bis 50 Prozent eingebrochen, Heu sei Mangelware. Als letzte Konsequenz müssten erste Bauern ihre Tiere bereits zum Schlachthof bringen: "Sie wissen ganz genau: Mit der und jener Heumenge können sie ihre Kühe durchfüttern."
Um eine fatale Abwärtsspirale zu verhindern, greift die Molkerei aus Baden zu einer Direkthilfe. In Summe werden 8,1 Millionen lockergemacht. "Es kriegt jeder Milchbauer, wurscht ob Niederösterreicher oder Vorarlberger, auf Basis der Jahresmenge, die er geliefert hat, mal 1,6 Cent", rechnet Berger vor. Das Geld sei dabei als echter Zuschuss für die 2.600 Lieferanten gedacht: "Das ist ein One-off. Das ist so, wie wenn ich Ihnen jetzt einen Hunderter schenke."
Für einen durchschnittlichen Hof bedeutet das laut Berger rund 4.000 Euro, bei richtig großen Betrieben können es mehr, bei kleinen weniger sein. Ausbezahlt wird die Summe binnen 14 Tagen und völlig unbürokratisch. Bedingung ist, dass die Hilfe zweckgebunden bleibt: "Die müssen nachweisen, dass sie das Geld für den Futtermittelkauf oder für Saatgut verwenden."
Neben dem Futterengpass drückt das Thermometer direkt auf den Ertrag. Kühe besäßen ein dickes Fell und könnten schlichtweg nicht schwitzen, so der NÖM-Vorstand: "Bei über 30 Grad geht die Milchmenge pro Kuh um bis zu zehn Prozent zurück."
Dazu komme der langfristige Schaden durch Notschlachtungen: Bis aus einem nachgekauften Kalb wieder eine milchgebende Mutterkuh werde, vergehen laut Berger zwei bis drei Jahre. "Die Milchmenge nimmt ab. Wir haben Sorge, dass wir mit deutlich weniger Milch ins neue Jahr starten", warnt er vor den kommenden Monaten.
Leere Regale im Supermarkt müssen Konsumenten laut Berger aber nicht fürchten. Die Grundversorgung stehe außer Frage: "Es wird immer einen NÖM-Mix und Fruchtzwerg geben, das ist uns heilig. Und die Milch und die Butter in Niederösterreich ist abgesichert."
Preislich wird es – fix jedenfalls für den Handel – nach oben gehen. Neben dem Rohstoffmangel belasten hohe Kosten für Diesel, Kühlung und Verpackungen die Produktion. Für die anstehenden Preisverhandlungen mit den Supermarktketten kündigt Berger deshalb eine harte Gangart an: "Schauen Sie auf die Tankstelle – billiger wird’s nicht. Das steht fest."