Die Österreichische Hagelversicherung hat heute Bilanz über die anhaltende Trockenheit im Land gezogen. Und die hat es in sich: Insgesamt soll der Schaden für die Bauern bei einer Milliarde Euro liegen.
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) hat allerdings bereits betont, dass es kein frisches Geld für die von der Krise betroffenen Landwirte geben wird. Stattdessen müsse das Landwirtschaftsministerium sein Budget umschichten, so Marterbauer.
Das will der ÖVP-Bauernbund so nicht stehen lassen – und geht in die Offensive. Die Bilanz der Hagelversicherung bestätige die "historische Dimension der Dürrekatastrophe", hieß es in einer Aussendung. Betroffen seien sämtliche Bundesländer und nahezu alle Kulturen. Gleichzeitig verschärfe sich die Futterknappheit in der Tierhaltung. Im Grünland werde der Ertragsausfall bereits auf 45 Prozent geschätzt, bei Kulturen wie Mais auf rund 25 Prozent und beim Getreide auf 14 Prozent. Regional würden die Einbußen noch deutlich höher liegen.
„Die notwendige Hilfe für unsere Bäuerinnen und Bauern ist kein Wunsch der ÖVP, sondern Aufgabe der gesamten Bundesregierung. Ein Dürreschaden von einer Milliarde Euro ist bittere Realität auf unseren Höfen. Dahinter stehen vernichtete Ernten, fehlendes Futter und Bauernfamilien, die um die Zukunft ihrer Betriebe kämpfen. Das SPÖ-geführte Finanzministerium muss seine Blockadehaltung aufgeben und den notwendigen finanziellen Spielraum schaffen“, fordert Bauernbund-Präsident Georg Strasser.
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) habe nach Bekanntwerden der Schadenszahlen umgehend Gespräche mit dem Finanzminister aufgenommen und Vertreter aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Versicherungswirtschaft zu einem Runden Tisch zusammengebracht. Das Ergebnis ist allerdings überschaubar: "In den nächsten Tagen" soll ein Unterstützungspaket vorgelegt werden. Ein solches hatte auch schon die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner gefordert.
Wenig überraschend gab es trotzdem Lob vom Bauernbund für "seinen" Minister. „Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig legt Tempo vor und arbeitet an konkreten Lösungen. Er hat zugleich unmissverständlich klargestellt, dass Umschichtungen innerhalb des Landwirtschaftsbudgets nicht ausreichen. Die Landwirtschaft kann sich die Hilfe in einer historischen Katastrophe nicht selbst finanzieren. Das SPÖ-geführte Finanzministerium muss jetzt den notwendigen zusätzlichen Spielraum schaffen.“
Der Bauernbund bekenne sich zwar klar zum Klimaschutz und zu einem – immer noch nicht vorliegenden, wirksamen Klimagesetz. Gleichzeitig brauche es rasche, unbürokratische und treffsichere Hilfe für die besonders betroffenen Betriebe. „Klimaschutz und Akuthilfe sind kein Widerspruch. Wer unsere heimische Lebensmittelversorgung sichern will, muss den Bauernfamilien jetzt konkret helfen. Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“, so Strasser.