Hitze und anhaltende Trockenphasen haben Österreichs Getreideernte laut AMA-Bilanz heuer schwer getroffen. Ohne Mais werden rund 2,5 Millionen Tonnen Getreide erwartet. Das sind 19 Prozent weniger als im Vorjahr und 14,4 Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt.
Auch inklusive Körnermais fällt die Bilanz deutlich schwächer aus. Die Agrarmarkt Austria (AMA) rechnet mit einer Gesamtproduktion von 4,5 Millionen Tonnen. Damit würde die Ernte 18,4 Prozent unter dem Vorjahreswert und 12,2 Prozent unter dem langjährigen Mittel liegen.
Die Weichweizenernte sinkt auf rund 1,24 Millionen Tonnen. Das sind 22,4 Prozent weniger als im Vorjahr und 18,4 Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt. Neben der kleineren Anbaufläche drückt vor allem der um 22,2 Prozent gesunkene Hektarertrag die Erntemenge.
Auch Hartweizen, der vor allem für Teigwaren gebraucht wird, verzeichnet starke Einbußen. Die Ernte fällt mit 108.000 Tonnen um 26 Prozent niedriger als im Vorjahr aus. Bei Roggen werden 132.000 Tonnen erwartet, ein Minus von 7,1 Prozent. Die Gerstenproduktion sinkt um 12,4 Prozent auf rund 708.000 Tonnen. "Die Witterung hat deutliche Spuren bei den Erträgen hinterlassen", sagt AMA-Vorstandschef Günter Griesmayr.
Trotz der deutlich kleineren Ernte sei die Versorgung mit Brot, Mehl und Backwaren gesichert, betont die AMA. Von den rund 1,24 Millionen Tonnen Weichweizen benötigt die heimische Mühlenwirtschaft etwa 650.000 Tonnen. Beim Roggen stehen einer Ernte von 132.000 Tonnen rund 90.000 Tonnen Vermahlungsbedarf gegenüber. Auch beim Hartweizen reicht die erwartete Ernte von 108.000 Tonnen für die benötigten rund 93.000 Tonnen.
Insgesamt dürfte die Mahlgetreideernte rund 1,5 Millionen Tonnen erreichen. Die Mehl- und Backwarenwirtschaft benötigt davon etwa 800.000 bis 880.000 Tonnen.
Die geringere Erntemenge bedeutet laut AMA nicht automatisch schlechtere Qualität. In weiten Teilen Österreichs sei das geerntete Brotgetreide von hoher Qualität.
Beim Weizen liege der Anteil an Qualitäts- und Premiumweizen heuer sogar bei rund 70 Prozent und damit deutlich über den Vorjahren. Die trockene Witterung habe außerdem dazu geführt, dass weniger Pflanzenkrankheiten auftraten.
Auch Bio-Betriebe hätten von längeren Zeitfenstern für die mechanische Unkrautregulierung profitiert. Der Ertragsunterschied zwischen biologischem und konventionellem Getreide falle deshalb heuer geringer aus.
Noch unsicher ist, wie stark die Herbstkulturen betroffen sein werden. Der AMA-Aufsichtsratsvorsitzende Lorenz Mayr blickt jedenfalls mit "großer Sorge" in den Herbst. Konkret erwartet er deutliche Einbußen bei Mais, Kartoffeln, Soja und Zuckerrüben. Nur Zuckerrüben könnten im Fall von Regen weiterwachsen, bei allen anderen sei das erledigt.
Trotz der kleineren Ernte liegen die Getreidepreise nicht automatisch höher. Nach Angaben der AMA wirken nämlich derzeit mehrere Faktoren gegeneinander. Einerseits könnten Trockenheit, die Krisen in der Schwarzmeerregion und am Persischen Golf sowie Schäden in den USA die Preise treiben. Andererseits dämpften hohe Lagerbestände aus der Ernte 2025 und der schwächere US-Dollar den Markt.
Nicht nur Österreich ist betroffen. Für die EU-27 wird heuer eine Getreideernte von rund 262,8 Millionen Tonnen erwartet. Das wären 9,4 Prozent weniger als im Vorjahr.
Besonders stark sinkt die Maisernte. Nach Prognosen der Europäischen Kommission fällt sie um 13,8 Prozent auf 51,9 Millionen Tonnen. Die Weichweizenernte dürfte um 8,2 Prozent, die Gerstenernte ebenfalls um 8,2 Prozent zurückgehen.
Auch Frankreich, Deutschland, Polen und Rumänien rechnen mit kleineren Ernten. In Ungarn wird sogar ein Rückgang von 17,1 Prozent erwartet.