Die markante Hitzewelle flacht einfach nicht ab. In den nächsten Tagen werden weiterhin Temperaturen rund um 35 Grad oder höher erwartet, ein Ende ist erst gegen Ende der kommenden Woche vorgesehen. Bis dahin bleibt die Hitze ein Dauerbegleiter.
Die Wetterlage wirkt sich auch auf die Landwirtschaft aus, die aktuell mit stark sinkenden Getreideernten zu kämpfen hat. Die Bauern rechnen mit Ertragseinbußen, was sich wiederum auf Lebensmittelpreise auswirken könnte. Laut der EU wird die Getreideernte heuer um 6,6 Prozent weniger ausfallen als im Jahr zuvor, laut der Landwirtschaftskammer wird sie in Österreich sogar um ein Fünftel zurückgehen.
Die anhaltende Hitzewelle dürfte sich laut Experten mittelfristig auch im Supermarkt bemerkbar machen. Früher oder später werde die Trockenheit zu höheren Lebensmittelpreisen führen, sagte Hermine Mitter von der Uni Graz im Ö1-Morgenjournal. Zwar werde es noch einige Zeit dauern, bis sich die Ernteausfälle tatsächlich in den Preisen niederschlagen. Um die Versorgung künftig abzusichern, seien aber verstärkte Investitionen in Bewässerungssysteme notwendig.
Besonders dramatisch ist die Lage derzeit auf den Feldern. "Die Maisbestände sind sehr niedrig, die Pflanzen verfärben sich hellgrün oder braun und sterben ab", schilderte Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger im Ö1-Morgenjournal. Österreich erlebe derzeit eine Trockenheit in einem Ausmaß, das es so noch nie gegeben habe.
Ob Regen die Situation noch entschärfen kann, sei derzeit ungewiss. Abgerechnet werde zwar erst, "wenn die Ernte in der Scheune ist", sagte Moosbrugger. Dennoch gebe es bereits massive Probleme. Vor allem bei den Herbstkulturen bestehe die Sorge, dass die erwarteten Ertragseinbußen nicht mehr aufgeholt werden können.
Der Präsident der Landwirtschaftskammer beschrieb die Situation als dramatisch: Er könne sich nicht erinnern, dass es jemals in ganz Österreich so trocken gewesen sei. Die Felder seien vielerorts braun, Gras wachse kaum noch und zahlreiche Betriebe müssten bereits ihre Wintervorräte verfüttern. Als Reaktion setzt die Landwirtschaftskammer verstärkt auf Maßnahmen zur Klimawandelanpassung. So müsse etwa der Wasserrückhalt in den Böden verbessert und Landwirte bei entsprechenden Investitionen unterstützt werden.
Gleichzeitig betonte Moosbrugger, dass die Landwirtschaft die Folgen des Klimawandels nicht alleine bewältigen könne. Die gesamte Gesellschaft sei gefordert, daran mitzuarbeiten, den Klimawandel einzudämmen.
"Ohne Wasser ist jegliche Produktion von Lebensmitteln unmöglich", stellte er klar. Vor allem im Ackerbau sei die Situation mittlerweile existenzbedrohend. Die Erträge reichten vielerorts nicht mehr aus, um die Produktionskosten zu decken. Deshalb fordert Moosbrugger bis zum Herbst ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Unterstützung der Betriebe.