Der Krieg zwischen Israel und dem Iran hat Austrian Airlines im ersten Halbjahr schwer zugesetzt. Vor allem die stark gestiegenen Kerosinpreise und die Ausfälle mehrerer Nahost-Strecken drückten die Fluglinie tief in die roten Zahlen. Trotzdem rechnet die AUA damit, das Gesamtjahr 2026 mit einem Gewinn abzuschließen.
Im ersten Halbjahr schrieb Austrian Airlines einen operativen Verlust von 94 Millionen Euro. Das sind 50 Millionen Euro mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Umsatz stieg zwar um 4 Prozent von 1,177 auf 1,221 Milliarden Euro, gleichzeitig legten aber die Aufwendungen um 6 Prozent auf 1,348 Milliarden Euro zu.
Besonders belastend waren laut AUA die Treibstoffkosten. Trotz abgesicherter Kerosinpreise musste die Airline im ersten Halbjahr mehr als 60 Millionen Euro mehr für Treibstoff ausgeben als ein Jahr zuvor. Zusätzlich verursachten die aus Sicherheitsgründen ausgesetzten Flüge nach Amman, Erbil, Tel Aviv und Teheran Ergebnisausfälle im zweistelligen Millionenbereich.
"Der Irankrieg hat uns durch die teils extrem gestiegenen Kerosinkosten sowie die notwendigen Streckenstreichungen enorm getroffen. Höhere Ticketpreise konnten bis Juni nur einen Teil der finanziellen Auswirkungen kompensieren", sagt AUA-Chefin Annette Mann.
Nach Angaben der Airline wurden intern bereits zahlreiche Sparmaßnahmen umgesetzt. So wurde das Projektportfolio verkleinert und im Verwaltungsbereich werden Effizienzprogramme schneller umgesetzt als ursprünglich geplant. In den Bereichen Flugbetrieb, Technik und Ground Operations plant Austrian Airlines hingegen weiterhin Personal aufzunehmen, um die Zuverlässigkeit des Flugbetriebs zu sichern.
Die wirtschaftliche Lage hat nun auch Folgen für den Winterflugplan. Die seit Jahren hochdefizitäre Verbindung zwischen Wien und Graz wird eingestellt. Nach Angaben der AUA bleibt Graz aber weiterhin an das Streckennetz der Lufthansa Group angebunden – mit insgesamt 46 Flügen pro Woche nach Frankfurt, München und Zürich.
Auf den Strecken nach Frankfurt und München kommt im Winter teilweise größeres Fluggerät zum Einsatz, nach Zürich werden zwei zusätzliche Flüge pro Woche angeboten. Außerdem bleibt die Anbindung über AIRail nach Wien bestehen.
Vorläufig pausiert werden zudem die Verbindungen nach Tiflis, Keflavik und Porto. Aus dem Winterflugplan verschwinden außerdem mehrere Nightstops, bei denen Flugzeug und Crew nach einem Abendflug über Nacht am Zielort bleiben. Betroffen sind Klagenfurt, Kopenhagen, Warschau und Krakau. In Klagenfurt war der Nightstop bereits im Sommerflugplan 2026 während elf Kalenderwochen aus Kostengründen ausgesetzt worden.
"Die schwierige wirtschaftliche Lage hat die Straffung des Winterflugplans mit ganz nüchternem Blick auf seit Jahren hochdefizitäre Verbindungen unvermeidlich gemacht", sagt Mann. Externe Krisen träfen die Luftfahrt inzwischen in immer kürzeren Abständen. Deshalb müsse auch an den hohen Standortkosten gearbeitet werden.
Von der Krise ist bei den Passagierzahlen allerdings vergleichsweise wenig zu spüren. Im ersten Halbjahr entschieden sich 6,96 Millionen Fluggäste für Austrian Airlines – ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Viele Kunden hätten ihren Sommerurlaub zunächst hinausgezögert und erst kurzfristig gebucht. "Kurzfristig ist die Nachfrage jedoch enorm, sodass wir mit der Auslastung aktuell sehr zufrieden sind", erklärt Mann.
Die Auslastung der Flugzeuge stieg von 77,2 auf 80,6 Prozent. Insgesamt absolvierte die AUA 56.865 Flüge, etwas weniger als im Vorjahr. Der Flugplan wurde zu 98,8 Prozent regulär durchgeführt.
Weil die Verbindungen in den Nahen und Mittleren Osten vorübergehend ausgesetzt wurden, setzte Austrian Airlines die frei gewordenen Kapazitäten auf stark nachgefragten Europastrecken ein. So wurden bzw. werden im Sommer 800 zusätzliche Flüge zu Urlaubszielen wie Palma de Mallorca, Dubrovnik, Barcelona, Nizza und Málaga angeboten.
Außerdem nahm die Airline im Sommerflugplan sieben neue Ziele auf: Ponta Delgada auf den Azoren, Ohrid in Nordmazedonien, Bergen in Norwegen, Mytilini auf Lesbos, Bastia auf Korsika sowie Bilbao und Alicante in Spanien. Insgesamt umfasst das Streckennetz derzeit mehr als 120 Destinationen.
Am langfristigen Umbau der Flotte hält Austrian Airlines fest. Noch heuer sollen zwei weitere Boeing 787 "Dreamliner" zur Flotte stoßen. Dann werden insgesamt fünf dieser Langstreckenflugzeuge für die AUA unterwegs sein.
Im Herbst folgt außerdem ein weiterer Airbus A320neo, der als erstes Flugzeug der Airline mit Starlink-Internet ausgestattet sein wird. In den kommenden Jahren soll die gesamte Flotte entsprechend umgerüstet werden. Gleichzeitig läuft die Ausflottung der Embraer-Flugzeuge weiter. Vier von insgesamt 17 Maschinen haben die Flotte heuer bereits verlassen.
Auch abseits der Flugzeuge investiert die Airline weiter. Am Flughafen Wien entstehen neue Loungeflächen mit mehr als 5.000 Quadratmetern, die im zweiten Quartal 2027 eröffnet werden sollen. Parallel laufen die Vorbereitungen für die neue Premium Economy Class sowie für neue Uniformen, die ab 2028 eingeführt werden.