Südtirol zieht die Reißleine: Mit dem Grödner Joch in den Dolomiten soll eine der bekanntesten und meistbefahrenen Passstraßen der Region künftig für Urlauber weitgehend gesperrt werden.
Gerade in den Sommermonaten stößt die Gegend seit Jahren an ihre Grenzen. Täglich sollen sich laut "Il Dolomiti" bis zu 11.000 Fahrzeuge über die Strecke wälzen – mit spürbaren Folgen für Umwelt, Verkehr und Lebensqualität der Einheimischen.
Ab Sommer 2027 wollen die zuständigen Gemeinden deshalb drastische Maßnahmen umsetzen: Von Mai bis Oktober soll der Alpenpass für Touristen gesperrt werden. Ziel ist es, den Verkehr deutlich zu reduzieren und die Natur in der sensiblen Bergregion zu schützen.
Die Entscheidung fiel einstimmig zwischen den beteiligten Gemeinden im Grödner- und Gadertal – ein deutliches Signal angesichts des wachsenden Drucks durch den Tourismus.
Allerdings gilt das Verbot nur für Durchreisende. Weiterhin passieren dürfen: Anwohner der Region, Personen mit beruflichem Anliegen (wie Handwerker) sowie Gäste von Hotels entlang der Strecke.
Alle anderen kommen nur noch mit Online-Reservierung auf den Pass: Dafür stehen 150 kostenpflichtige Parkplätze zur Verfügung. Wer keinen Platz ergattert, muss einen erheblichen Umweg in Kauf nehmen. Etwa rund 42 Kilometer über Sellajoch und Pordoi – oder sogar bis zu 100 Kilometer durch das Pustertal.
Unterstützung kommt unter anderem vom Alpenverein Südtirol, der die Maßnahme als historischen Schritt bezeichnet. Ein autofreier Pass bedeute mehr Ruhe, bessere Luft und letztlich auch ein intensiveres Naturerlebnis.
Das Fahrverbot ist Teil einer größeren Strategie: Südtirol versucht zunehmend, den Massentourismus in geregelte Bahnen zu lenken und besonders belastete Regionen zu entlasten.