Die blaue Welle bei den Midterm-Wahlen lässt die Republikaner Rot sehen. Die Demokraten eroberten sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat. Damit verlieren die Republikaner ihre Mehrheit in beiden Kongresskammern – für die Administration von US-Präsident Donald Trump ein herber Schlag.
Nach dem Wahldebakel wächst nun auch der Druck auf Trump persönlich. Zwei Jahre nach seinem Sieg bei der Präsidentschaftswahl ist vom einstigen Image als gefeierter Comeback-Held kaum noch etwas übrig. Immer mehr Republikaner fordern einen Kurswechsel und mehr Disziplin im Weißen Haus. Ex-Parlamentspräsident Newt Gingrich sprach von einer "schockierenden Niederlage" und Chaos in der Partei. Parteistratege John Feehery bezeichnete Trump bereits als "lahme Ente".
Noch deutlicher fiel das Urteil eines hochrangigen Regierungsinsiders aus. Die Moral im Weißen Haus sei "so schlecht wie nur möglich", sagte er. Es ist absolut beschissen, gerade hier zu sein."
Die Demokraten haben nun die Möglichkeit, Trumps Gesetzesvorhaben zu blockieren und seine Regierung zu untersuchen. Trumps exekutive Befugnisse werden die Regierung nicht vor parlamentarischen Überprüfungen durch den Kongress schützen können. "Niemand will sich mit Ermittlungen befassen", sagte der Regierungsvertreter.
US-Vizepräsident JD Vance befasste sich in einer ausführlichen Wahlanalyse mit den Ursachen für die Niederlage. So kritisierte der 42-Jährige u. a. den Krieg im Iran scharf. Vance berief sich auf die Befragung eines Meinungsforschers, der eine Niederlage der Republikaner vorhergesagt hatte. Demnach bräuchte es vier Maßnahmen, um das Vertrauen der alten Unterstützer zurückzugewinnen: den Krieg beenden, Inflation bekämpfen, "America" First und ein Kurswechsel in der Israel-Politik.
Besonders brisant: Sogar Trump Sohn, Donald Trump Jr. (48) stellte sich hinter die Vance-Abrechnung. Auf X teilte er den Beitrag des Vizepräsidenten und schrieb dazu: "Jedes einzelne Wort davon" – gefolgt von drei roten 100-Emojis, die seine Unterstützung signalisieren sollen.
Trump selbst zeigte jedoch kaum Anzeichen dafür, dass er das Wahlergebnis als Grund für einen Kurswechsel ansah. "Ich sehe das nicht als einen Schlag gegen mich", sagte er am späten Dienstagabend dem Sender Fox News.
Bei seinem ersten Auftritt nach der Wahl am Mittwoch unterbrach Trump Fragen von Reportern über eine mögliche Amtsenthebung durch die Demokraten und betonte stattdessen seine umstrittenen Renovierungsprojekte im Weißen Haus. "Stellen Sie sich jetzt überall Kronleuchter vor", sagte Trump. "Stellen Sie sich Marmorböden vor. Oh, das wird gut."