Strom-Sozialtarif ab sofort

Billigstrom startet: Wienerin klagt über Behörden-Chaos

Der Sozialtarif soll 300.000 Haushalten helfen – doch eine Familie in Meidling kämpft mit Behörden-Chaos und weiß bis heute nicht, ob sie ihn bekommt.
Michael Pollak
01.04.2026, 08:10
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Anna S. ist verzweifelt. Seit Wochen wird sie im Kreis geschickt, "es ist ein Spießrutenlauf", sagt sie zu "Heute". In dieser langen Zeit war es unmöglich für sie herauszufinden, ob sie vom verbilligten Tarif profitieren wird, obwohl sie alle Kriterien erfüllt.

Am Mittwoch, 1. April, startet der Sozialtarif für Stromkunden. Fast 300.000 Haushalte sollen ihren Strom günstiger bekommen. 6 Cent je Kilowattstunde netto zahlt man dann für die ersten 2.900 kWh im Jahr. Ein-Personen-Haushalte verbrauchen im Schnitt rund 1.900 kWh, Zwei-Personen-Haushalte rund 3.100 kWh und Drei-Personen-Haushalte kommen im Schnitt auf etwa 4.700 kWh.

Anspruchsberechtigt sind all jene Personen, die vom ORF-Beitrag befreit sind und zusätzlich eine soziale Leistung beziehen, etwa Pflegegeld, Pensionen, Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung oder Sozialhilfe. Der Sozialtarif wird automatisch gewährt, wenn die Daten bei der ORF-Beitrags Service GmbH (OBS) vorliegen.

Genau da liegt irgendwo der Fehler bei der Wienerin Anna S. begraben. Sie ist seit 1. Juni 2025 von der ORF-Gebühr befreit – alle Dokumente liegen "Heute" vor. Ihre Daten sollten also automatisch bei ihrem Versorger gelandet sein. Doch dort sagte man ihr: "Wir können Befreiungen erst dann berücksichtigen, wenn uns diese direkt und elektronisch von der OBS übermittelt werden." Im Klartext: Noch sind keine Daten eingelangt.

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Die Mutter aus Wien-Meidling versucht seit Wochen alles selbst zu organisieren. Sie meldet sich bei der OBS, der Organisation, die für den ORF die Gebühren einhebt. Die Dame der Hotline meinte, es fehle die wichtige Zählpunktnummer (mit diesem Code wird jeder Stromanschluss identifiziert, ist also bei dem Stromtarif wichtig). "Das stimmt ja gar nicht", sagt Anna S., "die Nummer steht groß auf einem OBS-Bescheid aus dem Vorjahr" (liegt "Heute" vor, siehe Foto ganz oben).

Brief verschickt, aber nie bekommen?

"Heute" fragt bei der OBS nach, wie das sein kann und warum – so kurz vor Start des neuen Tarifs – diese betreffende Person keine Information dazu bekommen hat. Offiziell heißt es dort, man habe bereits "rund 300.000 vom ORF-Beitrag befreite Haushalte angeschrieben, um über den Sozialtarif-Strom zu informieren." Zwei Kategorien von Briefen wurden ausgeschickt.

In den vergangenen beiden Wochen bekamen Haushalte ein Schreiben mit dem Titel "Alles erledigt – Sie müssen nichts weiter tun". Diesen Brief bekam Anna S. nicht.

Auch das zweite Schriftstück (diese Briefe wurden früher versandt) – es nannte sich: "Nacherfassung der Zählpunktnummer Strom" – erreichte nie den Haushalt in Meidling.

Dritter Punkt: "Im April werden von der OBS die Daten an die Energielieferanten übermittelt. Die Energielieferanten verrechnen dann ab dem 1. April den gedeckelten Strompreis."

Anna S. bleibt fassungslos. Obwohl alle involvierten Behörden alle ihre Daten haben, hat sie wenig Hoffnung, dass sie den Billigstrom bekommt. "Ich glaube, die verschlampen das. Wir haben so ein Wirrwarr in Österreich, da weiß A nicht was B macht."

{title && {title} } POM, {title && {title} } 01.04.2026, 08:10
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