Jährlich erkranken hierzulande rund 1.500 Menschen an Blasenkrebs. Die meisten Betroffenen sind zwischen 70 und 75 Jahre alt. Lange Zeit galt die Behandlung fortgeschrittener Erkrankungen als besonders belastend: Chemotherapien, die Entfernung der Harnblase und eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität prägten die Therapie. Auch die langfristigen Überlebenschancen waren oft gering. Doch das soll sich jetzt ändern.
Nach dem Blasenkrebs-Awareness-Monat Mai startet in Österreich die bislang größte nationale Forschungsinitiative zur Erkrankung. Unter dem Titel "StrikeBC" wollen zehn medizinische und wissenschaftliche Einrichtungen in den kommenden vier Jahren Daten von insgesamt 1.400 Patienten auswerten, um Therapien individueller, schonender und wirksamer zu machen.
Die Forschungsinitiative "StrikeBC" steht für "Strategies to Individualize Treatment for Bladder Cancer". Unter der Federführung des Austrian Comprehensive Cancer Network (ACCN) und der wissenschaftlichen Leitung von Privatdozent Bernhard Englinger von der Medizinischen Universität Wien soll untersucht werden, welche Therapie für welche Patienten zum richtigen Zeitpunkt am besten geeignet ist.
Langfristig gehe es darum, die Erkrankung kontrollierbar und heilbar zu machen. "Wir wollen erreichen, dass die tödliche Krankheit Blasenkrebs in Zukunft geheilt werden kann. Unsere wegweisende Forschungsinitiative ist ein entscheidender Schritt in diese Richtung", erklärt Studienleiter Bernhard Englinger.
„Wir wollen erreichen, dass die tödliche Krankheit Blasenkrebs in Zukunft geheilt werden kann.“Studienleiter Bernhard EnglingerMedUni Wien
Ab Juni 2026 werden dafür Betroffene mit unterschiedlichen Krankheitsstadien in die Studie aufgenommen. Ein Schwerpunkt liegt auf jenen Fällen, in denen der Krebs nach einer ersten Behandlung vollständig verschwindet. Dort soll geprüft werden, ob Betroffene künftig auf große Operationen verzichten können. Bei Patienten mit bereits metastasierten Tumoren wollen die Forschenden analysieren, ob individuell angepasste Therapien neue Behandlungschancen eröffnen.
ACCN-Sprecher und Studienleiter Shahrokh Shariat verweist auf die Komplexität der Erkrankung: "Blasenkrebs ist eine sehr heterogene Erkrankung, bei der Patienten unterschiedlich auf Therapien reagieren. Mit 'StrikeBC' wollen wir besser verstehen, welche Behandlung für wen am besten geeignet ist, um unnötige Belastungen zu vermeiden und die Therapie gezielter einzusetzen."
Grundlage der Untersuchungen sind Blut- und Gewebeproben, bildgebende Verfahren sowie Laborexperimente mit Krankheitsmodellen. Zusätzlich wird erhoben, wie Patienten ihre Behandlung und ihre Lebensqualität wahrnehmen. Die gesammelten Daten sollen anschließend mit modernen Datenanalyse-Methoden ausgewertet werden.
Bereits im Sommer beginnt die erste Teilstudie mit dem Namen "DecipherBC". Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob biologische Marker vorhersagen können, welche Patienten auf bestimmte Therapien ansprechen. Untersucht wird unter anderem, ob sich in Tumor, Blut oder Urin messbare Hinweise finden lassen, die frühzeitig Auskunft über den Erfolg einer Behandlung geben.
Die Forschenden hoffen, dadurch künftig genauer bestimmen zu können, welche Therapie für welche Patienten am besten geeignet ist und wie Behandlungen gezielter und mit weniger Belastung eingesetzt werden können.
"StrikeBC" zählt zu drei Forschungsgruppen, die vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung gemeinsam mit der Ludwig Boltzmann Gesellschaft für bis zu acht Jahre gefördert werden.
Neben der Medizinischen Universität Wien beteiligen sich die Medizinischen Universitäten Graz und Innsbruck, das Ordensklinikum Linz, die Universitätskliniken Salzburg, St. Pölten und Wiener Neustadt, die Barmherzigen Brüder Wien sowie die Klinik Ottakring. Ergänzt wird das Netzwerk durch das CeMM Research Center for Molecular Medicine und das Austrian Institute of Technology.