Der blutige Angriff spielte sich wie berichtet am Montag auf einem Gang vor den Unterkünften des Forensisch-Therapeutischen Zentrums (FTZ) Garsten (Bez. Steyr-Land) ab. Eine Überwachungskamera filmte, wie der Verdächtige auf den jüngeren Mann losging.
Nach wenigen Augenblicken lag das Opfer schwer verletzt auf dem Gang. Justizwachebeamte dürften Schreie gehört haben, zwei oder drei Männer eilten zu Hilfe. Sie begannen sofort mit Wiederbelebungsversuchen, konnten aber nichts mehr für den Schwerverletzten tun.
Am Dienstag stellte sich heraus, dass der mutmaßliche Täter aus "Frust auf Behörden, Ämter und die Polizei" zugestochen haben soll, so die zuständige Staatsanwaltschaft Steyr. Dass auf "seine Anliegen nicht reagiert" worden sei, habe ihn in Rage versetzt.
Bei der Waffe handelte es sich um ein Buttermesser. Zugeschliffen war es offenbar nicht: "Die Klinge wurde nicht verändert", so Behördensprecher Andreas Pechatschek zu "Heute". Allerdings war der Griff so modifiziert, dass der Beschuldigte das Messer besser halten konnte. Es dürfte Besteck direkt aus dem Forensisch-Therapeutischen Zentrum gewesen sein.
Da der Zwischenfall für erhebliches Aufsehen gesorgt hat, gibt es jetzt Überlegungen, dass der 63-Jährige verlegt wird. "Ich gehe davon aus, dass er woanders unterkommt", sagt Pechatschek auf Anfrage.
Laut "Heute"-Infos könnte der Verdächtige in die zweitgrößte Justizanstalt Österreichs nach Stein in Krems an der Donau (NÖ) kommen. Dort sind ausschließlich männliche Strafgefangene mit einer Haftzeit von über 18 Monaten bis lebenslang untergebracht.
Die blutige Attacke in Garsten hat einmal mehr Diskussionen um die Sicherheit im Strafvollzug ausgelöst. Denn erst vor kurzem war in der Justizanstalt Klagenfurt ein 19-Jähriger getötet worden. Der mutmaßliche Täter: ein erst 17 Jahre alter Mitinsasse. Gegen ihn wird wegen Mordverdachts ermittelt.
Was tun gegen die Gewalt in Gefängnissen? Das wurde am späten Mittwochabend in der "ZIB2" Volksanwältin Gaby Schwarz von ORF-Moderatorin Marie-Claire Zimmermann gefragt.
"Personal", so die Volksanwältin dazu, was es dringend in den Gefängnissen brauche. "Wenn es zu wenig Personal gibt, dann haben die Inhaftierten zu wenig Beschäftigung, sitzen zu lange in den Hafträumen, es gibt keine Möglichkeit der Ausbildung."
Es sei "ein schleichender Prozess, immer mehr Inhaftierte, immer weniger Personal", so Schwarz. Es beginne sich "die Katze in den Schwanz zu beißen", denn "wir haben so viele Inhaftierte, dass die Zahl der Planstellen ja nicht mehr ausreicht, und nicht einmal diese Planstellen sind besetzt".
Schwarz sei aufgrund der jüngsten Vorfälle "erschüttert", die Justizwache leiste hervorragende Arbeit, aber sei "über dem Limit". Es sei "Feuer am Dach."