Geruchstester gesucht

Bürgermeister sagt Gestank in Po-Ebene den Kampf an

Im Industriegebiet von Brendola stinkt es zum Himmel. Die genaue Quelle ist jedoch unbekannt. Nun sucht der Bürgermeister sechs Geruchstester.
Nick Wolfinger
15.02.2026, 15:54
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Mit 652 Kilometern ist er der längste Fluss Italiens: Der Po. Von seiner Quelle an der französisch-italienischen Grenze bis zu seiner Mündung in die Adria definiert er die sogenannte Po-Ebene. Mit etwa 50.000 Quadratkilometern Fläche ist das Gebiet mehr als halb so groß wie Österreich.

Mit Städten wie Turin, Mailand, Verona, Bologna oder Venedig ist die Region das wirtschaftliche Zentrum Italiens – und das riecht man. Nun hat der Bürgermeister der Kleinstadt Brendola, einer Vorstadt von Vicenza, die Nase voll. Er sagt den schlechten Gerüchen in der Stadt den Kampf an – und bittet auf Facebook um Mithilfe.

„Sie riechen in regelmäßigen Abständen an der Luft und tragen Ihre Geruchsempfindungen in einen digitalen Fragebogen (Smartphone-App) ein“
Aufruf der Kleinstadt Brendolaauf Facebook, 9. Februar 2026

Spürnasen gesucht

Gesucht werden Freiwillige, die sich als Geruchsschnüffler in den Dienst der Gemeinde stellen wollen. Einzige Voraussetzungen: Wohnsitz in Brendola oder im Westen von Vicenza, Volljährigkeit, ein Auto und ein "Smartphone mit Internetanschluss". Denn aus dem ausgedehnten Industriegebiet der Kleinstadt werden seit langer Zeit massive Geruchsbelästigungen beklagt.

Handy-App erfasst die Daten

Das Projekt, das noch im Frühjahr 2026 starten soll, ist auf maximal 12 Monate ausgelegt und umfasst gezielte Einsätze an bestimmen Orten zu bestimmten Zeiten auf vorgegebenen Routen. Bezahlt wird auf Honorarnoten-Basis. Die Einsätze werden pauschal vergütet. Zuschläge gibt es für Nacht- und Feiertagsdienste.

Wer sich bewerben will, braucht einen guten Riecher – und jede Menge Zeit. "Die Teilnehmenden werden auf ihren Geruchssinn und ihre Fähigkeit, Umweltgerüche zu unterscheiden, geprüft. Daher ist eine Verfügbarkeit von drei Tagen erforderlich, die noch festgelegt werden", so die Gemeinde.

Fabriksabfälle und Abwasser im Visier

Wichtig ist, dass man an keinen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Allergien leidet – und, dass man in keinem Verhältnis zu den Verursachern der zu untersuchenden Geruchsbelästigungen zählt.

Wer den Job erhält, wird von einem auf Geruchsmessung spezialisierten Unternehmen eingeschult. Dieses bringt einem bei, unterschiedliche Geruchsquellen zu unterscheiden. Im Fokus stehen Ausstöße von Fabriken, Industrieabfälle und Abwässer.

Suche nach Wiederholungstätern

Die Stadt hat dabei durchaus schon Erfahrung mit Geruchs-Untersuchungen: "Wir haben vor etwa fünf Jahren eine ähnliche Untersuchung der üblen Gerüche durchgeführt", erklärt Bürgermeister Bruno Beltrame dem britischen "Guardian" in einem Interview.

"Dabei konnten wir die geruchsverursachenden Unternehmen identifizieren. Nun weiten wir das Untersuchungsgebiet aus, um herauszufinden, ob dieselben Unternehmen verantwortlich sind oder ob es sich um andere handelt", so Beltrame.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 15.02.2026, 15:54
Jetzt E-Paper lesen