Tausende Euro gezahlt

"Busen und Po verpfuscht" – Illegale OP in Hauskeller

Eine Niederösterreicherin ließ sich auf eine Behandlung durch eine Amateurin ein. Seit Wochen leidet sie an den Folgen der Pfusch-Operation.
Michael Pollak
27.02.2026, 05:45
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Der Schönheitswahn nimmt immer schlimmere Formen an. Kurpfuscher reisen von Stadt zu Stadt, bieten in Airbnbs ihre verbotenen und vor allem gefährlichen Dienste an. Aktuell befassen sich Ermittler mit einer illegalen Klinik im Raum Wiener Neustadt (NÖ), Mitte Februar kam es zu einer Hausdurchsuchung. Seit vergangenem Sommer sollen hier drei Frauen ihre Dienste mit Hyaluronsäure, Botox und anderem angeboten haben.

Eines der dort stark verpfuschten Opfer wandte sich in der Folge an einen renommierten Facharzt der plastischen Chirurgie. "Die Frau hatte ausgeprägte Schmerzen, nachdem ihr eine gigantische Menge Hyaluron gespritzt wurde", sagt Dr. Harald Beck zu "Heute".

Die Vorgeschichte: "Sie wollte ihr Gesäß und ihre Brüste besser gestalten", doch leider geriet die Handelsangestellte an die falsche Person. Eine Kosmetikerin, ohne medizinische Ausbildung, "ordinierte" im Raum Wiener Neustadt im Keller eines ganz normalen Wohnhauses.

8.000 Euro zahlte die etwa 40-jährige Niederösterreicherin für die Behandlung. Der Facharzt ist verwundert über die Höhe der Kosten: "Das ist vergleichbar mit Preisen eines echten Chirurgen!" Für ein wenig Extra-Kohle bot die "Kosmetikerin" auch noch eine Narkose an, das hätte sie in die Venen gespritzt, doch die Kundin lehnte ab.

Pfuscherin hatte nicht einmal die richtigen Spritzen dabei

Mit Spritzen – so kommt das Hyaluron in den Körper – gab es Minuten später ein gröberes Problem. Es zeigt, wie amateurhaft das Geschäft ablief: "Die Behandlerin ist draufgekommen, dass ihre Spritzen gar nicht passen", erzählt der echte Mediziner weiter, "sie hat einen Verwandten angerufen und ihn zur Apotheke geschickt."

Diese 10 Punkte sollen bei Beauty-OPs beachtet werden (laut Österreichischer Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie).

  • Facharztausbildung & Befugnis: Fachärzt:in für Plastische, Rekonstruktive & Ästhetische Chirurgie oder andere Fachdisziplin mit entsprechender Befugnis.
  • Offiziell anerkannter Facharzttitel – keine Fantasiebezeichnungen.
  • Ausreichend Bedenkzeit (14 Tage Bedenkzeit sind bei ästhetischen Operationen   gesetzlich vorgeschrieben).
  • Zuständigkeit prüfen. Welcher Facharzt darf laut ÄsthOP-Gesetz welchen Eingriff machen?
  • Botulinumtoxin & Filler = ärztliche Behandlung – alles andere ist Kurpfuscherei.
  • Transparente Kosten – ohne versteckte Gebühren.
  • Realistische Aufklärung – was ist möglich und was nicht?
  • Umfassende Aufklärung über Ablauf, Risiken sowie Nachsorge.
  • Medizinische Infrastruktur – kein Hotelzimmer, kein Wohnzimmerstudio.
  • Bauchgefühl ernst nehmen – keine Eingriffe unter Druck.

Für "Reparatur" sind bis zu drei OPs nötig

Eine Woche nach dem Keller-Horror kam die Patientin zu Dr. Beck in die Ordination. Jetzt wird er in zwei bis drei Operationen den Schaden minimieren, "100 Prozent wird es nicht, aber wir werden in mehreren Schritten versuchen die Hyaluronsäure im Körper aufzulösen."

Dann erzählt der Chirurg noch: "Ich habe der Frau geraten, wieder hinzugehen, ihr Geld zurückzuverlangen – das ist klar Kurpfuscherei!" Das hat die Frau gemacht, doch die Kosmetikerin weigerte sich, das Geld auszuzahlen. Danach kam es zur Anzeige und die "Klinik" bekam Besuch von Ermittlern – eine 31-Jährige wurde festgenommen.

{title && {title} } POM, {title && {title} } Akt. 27.02.2026, 12:38, 27.02.2026, 05:45
Jetzt E-Paper lesen