Im Pazifik vollzieht sich derzeit eine militärische Neuausrichtung von historischem Ausmaß. China investiert massiv in den Ausbau seiner Streitkräfte und ist laut dem australischen Lowy Institute aktuell das einzige Land, das neue schwere Bomber entwickelt. Gleichzeitig werden zwei Kampfflugzeuge der fünften Generation serienmäßig produziert, während weitere Modelle der sechsten Generation noch getestet werden.
Die Schiffbaukapazität Chinas übersteigt jene der USA um ein Vielfaches. Ein aktueller Bericht des Lowy Institute warnt, dass Chinas militärischer Aufstieg die Sicherheitsordnung im gesamten Indopazifik grundlegend verändert. Die Experten Sam Roggeveen und David Vallance schätzen, dass Peking nicht nur auf Machtdemonstration setzt, sondern ein Militär schaffen will, das auch technologisch überlegene Gegner besiegen kann.
Laut Bericht des Lowy Institute, gibt China inzwischen offiziell rund 231 Milliarden US-Dollar jährlich für Rüstung aus. Rechnet man weitere Posten wie Forschung und Entwicklung hinzu, könnten es laut den Autoren aber tatsächlich mehr als doppelt so viel sein. Bis 2035 könnten die realen Ausgaben sogar auf fast eine Billion US-Dollar jährlich steigen.
Besonders rasant wachsen Chinas Raketenarsenale. 2016 verfügte das Land praktisch über keine Mittelstreckenraketen mit Reichweiten zwischen 4000 und 8000 Kilometern, doch bis 2035 könnten mehr als tausend dieser Waffen einsatzbereit sein. Auch die Marine wird massiv ausgebaut: Der dritte Flugzeugträger wurde 2025 in Betrieb genommen, ein atomgetriebener Träger ist im Bau. Bis 2035 könnte China laut Pentagon neun Flugzeugträger besitzen – die zweitgrößte Flotte weltweit hinter den USA.
Im Unterwasserbereich plant China den Bau von bis zu sechs neuen U-Booten jährlich, darunter mehrere atomgetriebene Angriffsboote. Bis 2035 könnten 25 solcher Boote mit Marschflugkörpern oder Hyperschallwaffen ausgestattet sein. Auch künstliche Inseln im Südchinesischen Meer werden ausgebaut und mit Militärbasen versehen.
Chinas Strategie beschränkt sich nicht nur auf neue Waffensysteme. Seit 2018 verhandelt Peking mit pazifischen Staaten über Stationierungsrechte, was das regionale Kräfteverhältnis nachhaltig beeinflussen könnte. Die Kontrolle über künstliche Inseln und kritische Infrastruktur wie Seekabel und Energieverbindungen erhöht die Reichweite chinesischer Militärkapazitäten.
Die größte unmittelbare Bedrohung geht laut den Autoren jedoch von Chinas Cyberkapazitäten aus. Schon jetzt verfügt das Land über Möglichkeiten, internationale Datenkabel zu sabotieren oder kritische Systeme mit Cyberattacken zu treffen. Westliche Geheimdienste warnen regelmäßig vor solchen Bedrohungen, die auch Europa betreffen können.
Das Lowy Institute sieht in Chinas Aufrüstung eine fundamentale Machtverschiebung: Die militärische Überlegenheit der USA im Indopazifik werde geschwächt, die Bedrohung für Taiwan wachse, und regionale Staaten geraten verstärkt unter Druck, sich den Interessen Pekings zu fügen.