COP27 Klimakonferenz – gedämpfte Erwartungen zum Start

40.000 Teilnehmer aus 200 Staaten werden im ägyptischen Sharm el-Sheikh bei der Klimakonferenz erwartet.
40.000 Teilnehmer aus 200 Staaten werden im ägyptischen Sharm el-Sheikh bei der Klimakonferenz erwartet.Gehad Hamdy / dpa / picturedesk.com
Am Sonntag startet die 27. Weltklimakonferenz (COP27) im ägyptischen Touristenresort Sharm el-Sheikh. Klimaschützer mahnen Handlungen ein.

Nach einem Jahr voller Umweltkatastrophen auf der ganzen Welt wird deutlicher denn je: Klimaschutz muss Priorität haben. Als dementsprechend wichtig gilt auch der 27. Weltklimagipfel, welcher vom 6. bis 18. November in Ägypten stattfindet.

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40.000 Teilnehmer aus 200 Staaten werden in Sharm el-Sheikh erwartet. Zwei Wochen lang debattieren die Teilnehmer über Maßnahmen zur Anpassung und Eindämmung der Klimakatastrophe; wie das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden kann. Die Erwartungen sind im Krisenjahr 2022 allerdings gedämpft.

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Dass der Austragungsort ein afrikanischer Staat ist, wird allgemein begrüßt, rückt die Örtlichkeit doch die Tatsache in den Vordergrund, dass ärmere Länder besonders von der Klimakatastrophe betroffen sind, allerdings mit ihrem geringen CO2-Ausstoß am wenigsten dazu beigetragen haben.

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Thematischer Fokus der Konferenz liegt auch auf der Finanzierbarkeit von Klimaschutz und Klimagerechtigkeit, also wie die reichen Industrienationen, die für 80 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, den globalen Süden unterstützen können. Ägypten etwa hat mit seinen rund 100 Millionen Menschen einen Anteil von 1,3 Prozent der Weltbevölkerung, ist allerdings für nur 0,6 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Gipfel unter ungünstigen Vorzeichen

Insgesamt stehen Klimaexperten dem Gipfel in Ägypten ambivalent gegenüber. Es sei wichtig, dass das Thema wieder breit ins Bewusstsein kommt. Für viel Kritik im Vorfeld sorgte, dass mit Coca-Cola einer der weltweit größten Verursacher von Plastikmüll als Sponsor für die Klimakonferenz auftreten soll.

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Zahlreiche Klimaschutzgruppen übten herbe Kritik an der Organisation. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg erteilte dem Gipfel eine Absage. Sie werde nicht teilnehmen, der "Raum für die Zivilgesellschaft ist in diesem Jahr extrem begrenzt". Im Vorfeld der Konferenz kam es zu Hunderten Festnahmen, die Menschenrechtssituation in Ägypten ist prekär.

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Handlungsbedarf enorm

Zwei Wochen lang, vom 6. bis 18. November, verhandeln Staats- und Regierungschefs sowie Ministerinnen und Regierungsvertreter von knapp 200 Ländern der Erde mit Zehntausenden von Unterhändlern, NGOs, CEOs und Bürger darüber, welche Klimaschutzmaßnahmen sie ergreifen können, um die menschengemachte Erderwärmung noch unter Kontrolle zu bringen.

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Für Österreich werden am Beginn der ersten Woche Bundespräsident Alexander Van der Bellen sowie Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) an der Konferenz teilnehmen. Danach wird Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) für die zweite Woche gemeinsam mit hochrangigen Beamten sowie Experten nach Ägypten reisen.

NGOs sowie Klimaexperten appellierten an die Verantwortlichen, Klimaschutz ernst zu nehmen – und endlich ins Handeln zu kommen. Seitens der heimischen Politik spricht man bei der Eindämmung der Klimakrise indes von einer "großen, gemeinsamen Verantwortung".

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Fachleute nehmen Österreich in die Pflicht

Die Allianz für Klimagerechtigkeit sieht Österreich "besonders gefordert, seine finanziellen Hilfen auszuweiten". Die 26 österreichischen Umwelt-, Entwicklungs- und sozialen Organisationen kritisierten, dass jene Länder, die am wenigsten zum CO2-Ausstoß beitragen, oft am meisten unter den Auswirkungen litten. Meist handelt es sich dabei um Länder des globalen Südens.

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Hier sei vor allem ein finanzieller Ausgleich sowohl für die Kosten der erlittenen Schäden als auch für die notwendigen Anpassungsmaßnahmen für die Klimakrise zu leisten. Die reichen Industrienationen müssten hier endgültig ihre Verantwortung wahrnehmen, so der Appell.

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Greenpeace etwa forderte von der österreichischen Regierung konkret, sich bei den Verhandlungen für einen eigenen Finanztopf für Klimaschäden und -verluste stark zu machen. Sharm el-Sheikh müsse der Wendepunkt für ein solches Projekt sein. Die Verantwortung für Klimakatastrophen wie jene in Pakistan müssten jetzt Staaten und Konzerne tragen, die die Klimakrise anheizen, so die Umweltschutzorganisation.

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Zudem verlangte Greenpeace von der österreichischen Politik, die Mittel für die Finanzierung von Klimaschutz- und -anpassungsprojekten auf 820 Millionen Euro jährlich zu erhöhen. Österreich und die EU dürften nicht weiter die Augen vor ihrer historischen Verantwortung verschließen.

Experte: "Österreich gut im Scheinklimaschutz"

Reinhard Steurer, Professor für Klimapolitik an der Wiener Universität für Bodenkultur, sagte gegenüber dem ORF: "Österreich ist nach wie vor gut im Scheinklimaschutz und schlecht darin, Emissionen angemessen zu reduzieren."

Obwohl sich schon jetzt abzeichne, dass Österreich sein Klimaziel für 2030 gravierend verfehlen werde, finde mangels Klimaschutzgesetz keine Kurskorrektur statt. Und weiter: "In diesem Sinne bin ich mir sicher, dass die österreichische Delegation den österreichischen Scheinklimaschutz bei der COP gut verkaufen wird, ohne dass der Schwindel auffällt."

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Auch heimische NGOs reisen zur COP27. In Sharm el-Sheikh werden etwa Vertreter von Greenpeace, WWF und Südwind anwesend sein. Greenpeace International schickt zudem die berühmten "Rainbow-Warrior" zur Klimakonferenz. Sharm el-Sheikh soll das Schiff am Ende der ersten Woche der Klimakonferenz erreichen.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten ist mit weiteren Organisationen an einem Pavillon beteiligt, der dem Einfluss der menschlichen Ernährung auf das Klima gewidmet ist. "An elf Thementagen werden im Food4Climate Pavillon Fragestellungen aus den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft beleuchtet", hieß es in einer Aussendung.

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