Leere Kühlregale, verdorbene Lebensmittel und Schäden in Millionenhöhe: Ein massiver Cyberangriff hat Hunderte Supermärkte in Frankreich getroffen. In der Nacht auf Montag verschafften sich Hacker Zugriff auf die Steuerungssysteme von Kühl- und Gefrieranlagen. Statt minus 18 Grad erreichten die Geräte Temperaturen von bis zu 50 Grad.
Angestellten strömte teilweise sogar heiße Luft aus den Kühlgeräten entgegen. Lebensmittel mussten entsorgt werden, in einzelnen Filialen kam es zu Bränden. Betroffen waren unter anderem rund 300 Standorte von Intermarché und Netto. Als Schwachstelle gilt die Software von Steuerungsgeräten des dänischen Herstellers Danfoss.
Doch könnte so etwas auch in Österreich passieren? Das Innenministerium warnt jedenfalls vor einer anhaltend hohen Bedrohung. Wie der "Kurier" berichtet, werden auch hierzulande regelmäßig Cyberangriffe auf kritische Infrastruktur beobachtet.
"Trotz Bemühungen auf unterschiedlichen Ebenen und verschiedener Maßnahmen bleibt die Bedrohung durch Cyberangriffe hoch. Unternehmen und Behörden müssen weiterhin in ihre IT-Sicherheit investieren und sich gegen potenzielle Angriffe schützen", heißt es aus dem Innenministerium.
Supermärkte zählen in Österreich ebenso wie Kraftwerke, Krankenhäuser und die Trinkwasserversorgung zur kritischen Infrastruktur.
Die heimischen Handelsketten beobachten die Lage genau. Der Rewe-Konzern mit Billa, Penny und Adeg erklärte gegenüber dem "Standard", dass bisher keine vergleichbaren Vorfälle bekannt seien. Konkrete Sicherheitsmaßnahmen will man nicht öffentlich machen.
Spar gibt teilweise Entwarnung: Die in Frankreich betroffenen Steuerungssysteme kommen in den eigenen Filialen nicht zum Einsatz. Zudem verfügt die Kette über eine eigene Abteilung für Cybersicherheit. Bei Zwischenfällen werden Filialleiter automatisch per Smartphone alarmiert.
Auch Lidl Österreich ist vom aktuellen Angriff nicht betroffen. Hofer hält sich zu den eingesetzten Sicherheitssystemen bedeckt.
Wie der "Kurier" berichtet, sind Betreiber kritischer Infrastruktur seit März durch das Resilienz kritischer Einrichtungen Gesetz (RKE-Gesetz) verpflichtet, eigene Schutzmaßnahmen zu setzen. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) unterstützt Unternehmen zudem mit Beratungen und Sicherheitsempfehlungen.
Für den Cybersicherheitsexperten Philipp Mattes-Draxler von PwC Österreich sind solche Angriffe "erwartbar". Gegenüber dem "Standard" spricht er von gezielter Sabotage und vermutet einen politischen Hintergrund.
Den Angreifern gehe es demnach auch darum, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu erschüttern. "Was bei den Menschen hängen bleibt: Wir können die Basisversorgung nicht schützen", warnt der Experte.
Auch der steirische Kühlgerätehersteller AHT verfolgt die Entwicklung genau. Eigene Geräte seien bisher nicht betroffen. Der Angriff in Frankreich zeigt dennoch, wie schnell Hacker selbst die Lebensmittelversorgung ins Visier nehmen können.