Commodore-Comeback

Das ist das schrägste Handy seit es Mobiltelefone gibt

Retro-Revolte! Commodore zeigt mit dem Callback 8020 das bisher wohl ungewöhnlichste Mobiltelefon. Der Vorverkauf startet bald, der Versand im Winter.
Team Wirtschaft
17.06.2026, 17:38
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Zwei Wochen lang machte Commodore ein Geheimnis aus seinem nächsten Produkt. Der Hinweis: "Zwei Schritte vor, einen zurück." Jetzt ist klar: Die wiederbelebte Kultmarke bringt ihr erstes Smartphone seit dem Neustart heraus. Es heißt Callback 8020 und ist ein Klapphandy, das bewusst nicht alles können soll. Der Vorverkauf startet am 30. Juni, der Versand wird für den Winter bzw. für das vierte Quartal 2026 angepeilt.

Commodore beschreibt die Idee hinter dem Modell sinngemäß so: Smartphones seien zu schlau, einfache Handys zu dumm. Das Callback solle dazwischen liegen. Also: telefonieren, Nachrichten schreiben, Karten nutzen, Musik hören, Fotos machen, aber ohne soziale Medien.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Social Media? Komplett abgedreht

Der härteste Schnitt: Social Media und Browser sind auf dem Gerät gesperrt. Nicht nur als App, sondern auf Systemebene. Die Sperre lässt sich laut FAQ auch nicht abschalten.

Auch der Touchscreen ist nicht wie bei normalen Smartphones. Das Hauptdisplay kann zwar Touch, ist aber standardmäßig deaktiviert. Erst wenn eine App es wirklich braucht, wird die Bedienung per Fingertipp möglich. Sonst geht es klassisch über Tasten im T9-Stil.

Wird das Handy zugeklappt, soll das ein bewusster Schlussstrich sein. Auf der Vorderseite zeigt ein kleines Display nur Uhrzeit, Akku und Empfang an. Benachrichtigungen laufen auf Wunsch über fünf LED-Lichter, damit man nicht ständig wieder auf den Bildschirm starrt.

Trotz Linux-Lösung sollen Android-Apps laufen

Als Betriebssystem kommt Sailfish OS zum Einsatz, eine Linux-Lösung des finnischen Unternehmens Jolla. Trotzdem soll es die meisten Android-Apps in einer abgeschotteten Umgebung ausführen können. Commodore spricht von mehr als 99 Prozent der Apps.

Einen Google Play Store gibt es nicht. Apps kommen über den eigenen Commostore oder per APK-Datei auf das Gerät. Bei Apps, die stark von Google-Diensten abhängen, kann es Probleme geben. Besonders Banking-Apps könnten streiken. Browser und Social-Media-Apps bleiben aber auch per Sideload gesperrt.

Commodore Callback 8020 – die technischen Daten im Überblick
Commodore

WhatsApp, SMS und Signal sind vorinstalliert

Ganz ohne moderne Kommunikation will Commodore das Callback nicht auf den Markt bringen. WhatsApp und SMS sind vorinstalliert. Auch Signal, Telegram und WeChat sollen funktionieren. iMessage sei über Drittanbieter-Lösungen möglich, brauche aber einmalig Zugriff auf einen Mac – und Apple könne diesen Zugang jederzeit entfernen.

Commodore erklärt, das Handy solle nicht alles aus dem Alltag verbannen, sondern die Ablenkung reduzieren. Wer das Gerät parallel zum normalen Smartphone nutzen will, könne auf MultiSIM- oder Number-Sync-Angebote setzen. Laut Commodore-FAQ soll das hierzulande unter anderem bei A1, Magenta und Drei möglich sein können.

Callback 8020 kostet ab 475 Euro – ohne Steuern

Billig wird der digitale Entzug nicht. Laut Produktseite kostet das Commodore Callback 8020 in der Basisversion 474,92 Euro, aktuell wird ein vergünstigter Preis von 431,75 Euro ohne Steuern angezeigt. Die knallige Starlight Edition kommt regulär auf 518,10 Euro bzw. rabattiert auf 474,93 Euro. Die goldene Founders Edition geht um 604,45 Euro bzw. in Aktion um 552,64 Euro netto weg. Dazu kommen je nach Land Mehrwertsteuer und mögliche Abgaben.

Studie als Verkaufsargument

Commodore beruft sich bei dem Konzept auf Forschung zu weniger Internet am Handy. Eine 2025 in PNAS Nexus veröffentlichte Studie sei zu dem Ergebnis, dass zwei Wochen ohne mobiles Internet Aufmerksamkeit, mentale Gesundheit und Wohlbefinden verbessern können.

Kamera, Radio, Retro-Klang

Technisch bleibt das Callback eher bodenständig. Es gibt 4 GB Arbeitsspeicher, 64 GB Speicherplatz, microSD-Erweiterung, USB-C, Dual-SIM, einen wechselbaren Akku, Hotspot-Funktion, Notruf und Spritzwasserschutz nach IP44. Auf 5G verzichtet Commodore bewusst. Das Unternehmen erklärt, 4G VoLTE und WLAN seien für Bauform und Akkulaufzeit sinnvoller.

Auf der Rückseite sitzt eine 48-Megapixel-Kamera von Sony mit Blitz und Autofokus. Für Musik gibt es einen eigenen Audio-Wandler, UKW-Radio, Kopfhörer in der Box und Klingeltöne im Stil des legendären SID-Chips aus der C64-Zeit. Auch Spiele sollen mit an Bord sein – darunter Commodore-Titel und, wegen der Nokia-Vergangenheit von Jolla, natürlich Snake.

Das steckt dahinter

Commodore-Chef Peri Fractic erklärt auf der Produktseite, die Idee sei auch aus einer persönlichen Erfahrung entstanden. Vor drei Jahren, kurz bevor er Vater wurde, habe er sich eingestanden, wie viele andere süchtig nach seinem Handy gewesen zu sein. Danach habe er auf ein Android-Klapphandy gewechselt und beobachtet, was funktioniert und was nicht.

Sein Ziel fasst er sinngemäß so zusammen: Er wolle das Digitale leiser drehen und das Leben lauter. Für Nostalgiker ist das Callback damit mehr als nur ein Handy. Es ist ein Statement gegen das Dauer-Online-Sein - allerdings um einen Preis, für den man auch ein sehr ordentliches normales Smartphone bekommt.

{title && {title} } tmw, {title && {title} } 17.06.2026, 17:38
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