Mut statt Quotenhörigkeit

"Das wäre ja der Auftrag" – Proll macht Ansage an ORF

Im Podcast mit Monika Gruber spricht Nina Proll Klartext über das heimische Fernsehen und erklärt, was sich beim ORF dringend ändern muss.
30.10.2026, 18:14
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In ihrem Podcast "Die Gruaberin" lädt Monika Gruber regelmäßig prominente Gäste ein, um mit ihnen über aktuelle Themen und persönliche Erfahrungen zu plaudern. Diesmal nahm Schauspielerin Nina Proll bei der Kabarettistin Platz. Dabei ging es nicht nur um ihre eigene Karriere, sondern auch um die Zukunft des heimischen Fernsehens. Vor allem mit Serien wie "Vorstadtweiber" wurde Proll einem breiteren Publikum bekannt.

Dass die ORF-Produktion derart einschlagen würde, "das hat mich auch überrascht", erzählt sie. Ein gutes Gefühl habe sie allerdings schon während der Arbeit gehabt: "Das könnte etwas werden und das macht Spaß", dachte sie zuvor.

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Gruber kann vergleichsweise mit dem heutigen Fernsehangebot weniger anfangen. "Das war schon revolutionär! Glaubst du, dass wir wieder mehr Mut, mehr Mumm brauchen? Ich schaue überhaupt kein Fernsehen mehr, weil gar nichts mehr dabei ist", meint sie. Abgesehen von einigen Dokumentationen könne sie auch aktuellen Filmen kaum etwas abgewinnen: "Da ist gar nichts mehr dabei, was mir gefällt." Proll hat hierzu eine klare Meinung und blickt dabei auch kritisch auf den ORF.

"Es bräuchte mehr Mut"

Die Schauspielerin pflichtet Gruber bei und sieht vor allem bei der Finanzierung neuer Formate ein großes Problem: "Ja, absolut bräuchte es mehr Mut!" Viele gute Ideen würden bereits im Vorfeld scheitern, weil Verantwortliche zu wenig Risiko eingehen wollten. "Ich kenne genügend Leute, die super Ideen haben, aber es wird nicht gemacht", erzählt sie. Schuld seien die Ängstlichkeit der Geldgeber und die Sorge vor der Reaktion des Publikums.

Dabei könne man Zuschauer durchaus überraschen, ist Proll überzeugt. Gerade öffentlich-rechtliche Sender wie der ORF müssten sich wieder mehr trauen. "Es wird immer behauptet, die Leute wollen 80 Prozent Krimis sehen, das glaube ich nicht", stellt sie klar. Streamingdienste seien da oft mutiger und würden dem linearen Fernsehen deshalb zunehmend Zuschauer abnehmen.

Proll kritisiert zudem die starke Orientierung an Einschaltquoten: "Das große Privileg des öffentlich-rechtlichen wäre ja eigentlich, dass er nicht nur auf die Quoten schaut, sondern er kann es sich leisten, auch mal etwas zu machen, was jetzt nur 30 Prozent schauen oder nur 10 Prozent. Das ist ja der Auftrag, glaube ich, oder wäre der Auftrag." Denn: "Wenn man sagt, die Quote allein, dann gibt es keine Kultur mehr."

Gruber ergänzt, dass Menschen gerade in schwierigen Zeiten auch einmal über ernste Themen lachen möchten. Bei ihrem eigenen Bühnenprogramm erkennt sie, wie wichtig diese Auszeit sei: "Ich merke das bei meinem Solo-Programm, dass die Leute sagen, sie haben zwei Stunden ihren Alltag vergessen."

Proll landete mit "Vorstadtweiber" einen großen Hit in ihrer Karriere.
Bild: Thomas Ramstorfer (ORF)

Für Proll war übrigens genau das auch ein Erfolgsrezept ihres Serienhits: "Ich glaube, das Erfolgsgeheimnis der 'Vorstadtweiber' war, dass es erstens eben nicht politisch korrekt war und dass Frauen genauso gut oder schlecht wie die Männer waren."

red, 30.10.2026, 18:14
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