Der Boom rund um Künstliche Intelligenz sorgt für eine der größten Investitionen in der Geschichte des Technologiekonzerns AT&S. Das Unternehmen baut den Produktionsstandort im malaysischen Kulim aus und investiert dafür insgesamt bis zu 2 Milliarden Euro. Hintergrund sind langfristige Vereinbarungen mit dem US-Chiphersteller AMD sowie einem weiteren Technologieunternehmen. Mit der Erweiterung reagiert AT&S auf die steigende Nachfrage nach Hochleistungskomponenten für KI-Rechenzentren und moderne Halbleiter. Gleichzeitig hebt der Konzern seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr deutlich an.
Am Standort Kulim wurde bereits ein erstes Werk erfolgreich in Betrieb genommen. Nun folgt die nächste Ausbaustufe. Geplant sind die Ausstattung des bereits errichteten zweiten Werks sowie der Bau einer zusätzlichen Produktionsanlage für IC-Substrate-Cores und hochentwickelte Leiterplatten. Diese Bauteile gelten als Schlüsseltechnologie moderner Halbleiter und werden unter anderem für Hochleistungsprozessoren und Grafikchips benötigt, die beim Training und Betrieb von KI-Systemen zum Einsatz kommen. AT&S-Chef Michael Mertin spricht von einem wichtigen Meilenstein für das Unternehmen.
Die Erweiterung sei ein Zeichen des Vertrauens großer Technologiekunden und unterstreiche die Rolle von AT&S als wichtiger Partner der internationalen Halbleiterindustrie, so Mertin. Während die Halbleiterindustrie früher von klassischen Konjunkturzyklen geprägt war, sieht AT&S inzwischen einen Strukturwandel. Die Entwicklung von Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz verändert die Anforderungen an Chips und deren Bauweise. Statt einzelner großer Prozessoren setzen Hersteller auf Chiplet-Architekturen, bei denen mehrere spezialisierte Chips zu einem Gesamtsystem kombiniert werden.
Dadurch steigt auch die Nachfrage nach leistungsfähigen IC-Substraten, die diese Komponenten miteinander verbinden. Neben Grafikprozessoren profitieren inzwischen auch Prozessoren, Speicherbausteine und komplexe Systemarchitekturen vom KI-Boom. Gleichzeitig verlangen Kunden immer energieeffizientere Lösungen mit höherer Rechenleistung und größerer Integrationsdichte. Die geplanten Milliardeninvestitionen sollen laut AT&S vollständig durch langfristige Kundenvereinbarungen abgesichert werden. Dadurch will das Unternehmen den Ausbau finanzieren, ohne seine finanzielle Stabilität zu gefährden.
Finanzvorstand Gerrit Steen betont, dass die Vereinbarungen so gestaltet würden, dass sie nachhaltiges Wachstum ermöglichen und gleichzeitig die Bilanz stärken. Die vollständigen Verträge müssen allerdings noch final abgeschlossen werden. Bereits im laufenden Geschäftsjahr erwartet AT&S positive Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis durch entsprechende Kundenzahlungen. Die volle wirtschaftliche Wirkung des Ausbaus soll sich jedoch erst in den kommenden Jahren entfalten. Mit Blick auf die Nachfrage blickt AT&S optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr 2026/27.
Statt eines Umsatzwachstums von 30 bis 35 Prozent rechnet der Konzern nun mit einem Plus von 45 bis 55 Prozent. Auch bei der Profitabilität erwartet das Unternehmen einen kräftigen Sprung. Die EBITDA-Marge soll nun zwischen 32 und 37 Prozent liegen, nachdem bisher lediglich 25 bis 29 Prozent prognostiziert worden waren. Parallel dazu steigen auch die geplanten Investitionen erheblich. Statt rund 400 Millionen Euro sollen nun zwischen einer und 1,2 Milliarden Euro in den weiteren Ausbau fließen. Trotz der hohen Ausgaben rechnet das Management weiterhin mit einem positiven operativen Free Cashflow.
Ganz ohne Unsicherheiten ist der optimistische Ausblick allerdings nicht. AT&S weist darauf hin, dass mögliche geopolitische Spannungen oder Lieferengpässe bei wichtigen Rohstoffen – etwa Fiberglasmatten – derzeit nicht in die Prognose eingerechnet sind. Das Management beobachte die Entwicklungen laufend, um bei Veränderungen rasch reagieren zu können. AT&S zählt zu den weltweit führenden Herstellern von IC-Substraten und hochwertigen Leiterplatten. Das Unternehmen produziert unter anderem in Leoben und Fehring sowie in China, Indien und Malaysia.
Die Produkte kommen in Smartphones, Fahrzeugen, Medizintechnik sowie Hochleistungsrechnern für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz zum Einsatz. Mit der Milliardenoffensive in Malaysia setzt der steirische Konzern nun ein deutliches Zeichen: Der weltweite KI-Boom sorgt nicht nur für neue Technologien, sondern auch für gewaltige Investitionen und ein kräftiges Wachstum der europäischen Halbleiterindustrie.