Beschwerdeflut in Brüssel

Diese Werbung könnte Netz-Riesen ein Vermögen kosten

Verbraucherschützer aus 27 Ländern gehen gegen Online-Giganten vor. Die Vorwürfe wiegen schwer, könnten die Betroffenen horrende Strafen kosten.
Team Wirtschaft
21.05.2026, 11:53
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Dubiose Kredite, falsche Krypto-Versprechen, angeblich sichere Wege zum schnellen Geld: Die AK Wien geht jetzt gemeinsam mit dem europäischen Verbraucherverband BEUC und 28 Konsumentenschutzorganisationen aus 27 Ländern gegen Meta, TikTok und Google vor.

Beschwerde bei EU-Kommission eingebracht

Die Beschwerden wurden am Donnerstag bei der EU-Kommission und den zuständigen nationalen Behörden eingebracht. Der Vorwurf: Die Online-Riesen würden ihre Pflichten aus dem EU-Digital-Services-Act nicht erfüllen. Betrügerische Finanzwerbung bleibe zu lange online, obwohl sie Konsumenten in die Falle locken könne.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Private werden von Online-Riesen oft ignoriert

Der 28-seitige BEUC-Bericht hat es in sich. Demnach sind Finanzbetrugsmaschen auf Meta, TikTok und Google weit verbreitet. BEUC wirft den Plattformen vor, systemische Risiken nicht ausreichend zu erkennen, Betrüger nicht konsequent zu entfernen, mangelhafte Werbebibliotheken zu betreiben und Meldungen von Nutzern oft nicht ordentlich zu behandeln.

Bis zu 4,2 Milliarden Schaden durch Betrug

Im Bericht verweist BEUC auch auf die Dimension des Problems: Finanzielle Schäden durch Betrug hätten in Europa 2024 bis zu 4,2 Milliarden Euro erreicht. Online-Werbung sei dabei ein zentraler Treiber, weil Betrüger mit wenigen Klicks Millionen Menschen erreichen könnten. In Österreich hätten laut BEUC-Daten 54,7 Prozent der Befragten schon betrügerische oder verdächtige Werbung auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok gesehen.

Es geht um fiese Geld-Betrugsmasche

Im Fokus stehen Anzeigen mit Versprechen wie "Ohne Risiko reich werden", "Mit Kryptowährung zum schnellen Geld" oder "Schnell und einfach zu einem Kredit". Gerade Menschen in Geldnot würden so gezielt angesprochen.

"Es geht darum, in kürzester Zeit ohne Vorwissen und ohne Risiko reich zu werden. Solche Anzeigen fluten täglich Facebook, Instagram, TikTok und Google und locken Nutzer in die Falle", sagt AK-Konsumentenschützerin Louise Beltzung.

Konsumentenschützer sammelten über Monate Beweise

Im Vorfeld der Beschwerde haben Konsumentenschützer im großen Stil Daten ausgewertet. Zwischen Dezember 2025 und März 2026 wurden in 13 Ländern verdächtige Finanzanzeigen gesammelt, gecheckt und den Plattformen gemeldet. Geprüft wurde unter anderem, ob Anbieter in Datenbanken europäischer Finanzaufsichten registriert waren, ob Kreditwerbung irreführend war oder ob Krypto-Anzeigen Risiken verschleierten.

Das Ergebnis fällt laut AK und BEUC ernüchternd aus. Europaweit wurden 893 Werbungen gemeldet. Entfernt wurden nur 243 – also gerade einmal rund 27 Prozent. 297 Meldungen wurden zurückgewiesen, 168 ignoriert, 185 Anzeigen waren vor Prüfung entfernt worden.

Massive Vorwürfe gegen Meta, auch TikTok in der Kritik

Besonders Meta steht in der Kritik. Von 503 gemeldeten Anzeigen seien nur 146 entfernt worden. 216 seien zurückgewiesen, 90 ignoriert worden. BEUC schreibt, Meta verbiete zwar bestimmte Finanzbetrugsanzeigen, dennoch seien solche Inhalte weiter leicht zu finden.

Auch TikTok kommt im Bericht schlecht weg. Von 360 gemeldeten Anzeigen seien nur 79 entfernt worden. In 134 Fällen habe TikTok erklärt, die Anzeige sei schon vor der Prüfung verschwunden. BEUC kritisiert, dass TikTok ähnliche Fälle unterschiedlich bewerte und Meldungen teils ohne ausreichende Begründung ablehne. Bei Google wurden zwar 18 von 30 gemeldeten Anzeigen entfernt, doch auch hier sieht BEUC erhebliche Mängel.

Alleine AK stieß auf 130 Fake-Videos

Alleine die AK Wien meldete mehr als 130 problematische Videos. Dabei habe sich laut Beltzung ein deutlicher Unterschied gezeigt: Meldungen offizieller Stellen hätten eher Wirkung gezeigt als Hinweise von privaten Nutzern.

Die AK verfügt seit Kurzem über den Status als sogenannter Trusted Flagger. Das bedeutet: Sie darf aufgrund ihrer Expertise mutmaßlich rechtswidrige oder dubiose Inhalte direkt an Plattformen melden. Diese Meldungen müssen bevorzugt behandelt werden.

Private Meldungen werden oft ignoriert

Beltzung sagt, als Trusted Flagger hätten AK-Meldungen zumindest teilweise Wirkung gezeigt. Private Meldungen seien hingegen oft ins Leere gelaufen. "Die Plattformen müssen dubiose Anzeigen nicht nur schneller löschen, sondern auch Meldungen von Nutzern endlich ernst nehmen", verlangt die Expertin.

"Kein Verstoß gegen Werbestandards"

Extrem problematisch findet die AK, dass private Hinweise vielfach mit der Begründung abgewiesen worden seien, die Werbung verstoße angeblich nicht gegen die Werbestandards. Damit würden Konsumenten allein gelassen, während Betrugsmaschen weiter online bleiben.

Heftig! Meta will von Nutzern rechtliche Begründungen

BEUC kritisiert zudem die Beschwerdesysteme. Meta etwa verlange von Nutzern teils sogar genaue rechtliche Begründungen, obwohl die Plattform selbst prüfen müsse, ob Inhalte illegal seien. TikTok begrenze Meldungen oft auf sehr wenige Zeichen. Google habe in einem Fall eine Beschwerde zu Konsumentenschutz fälschlich wie einen Fall von übler Nachrede behandelt.

Ruf nach Einlenken der Plattformen

Die EU-Kommission und die nationalen Aufsichtsbehörden sollen Meta, TikTok und Google streng prüfen, fordert nun die AK. Die Plattformen müssten ihre Systeme so ändern, dass betrügerische Finanzwerbung schneller erkannt, gelöscht und dokumentiert werde.

EU-Konsumentenschützer fordern harte Strafen

Bleiben die Konzerne untätig, müssten laut AK auch empfindliche Geldstrafen folgen. BEUC fordert zudem, dass die Plattformen sofort in Einklang mit dem DSA gebracht werden und bei anhaltenden Verstößen Strafen oder regelmäßige Zwangsgelder verhängt werden.

{title && {title} } tmw, {title && {title} } 21.05.2026, 11:53
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