Mitten im Atlantik

Dieser mysteriöse Ort wird immer kälter statt wärmer

Mitten im Nordatlantik wächst die Sorge der Klimaforscher: Ein riesiger Kältefleck südlich von Grönland wird seit mehr als 100 Jahren immer kälter.
Newsdesk Heute
15.06.2026, 16:43
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Während sich die Weltmeere durch den Klimawandel immer stärker erwärmen, wird ein großes Gebiet südlich von Grönland und Island seit mehr als 100 Jahren kälter. Eine neue Studie sieht darin einen weiteren Hinweis auf eine Abschwächung der Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation (Amoc) – eines für Europas Klima wichtigen Strömungssystems.

Abkühlung reicht bis in die Tiefe

Ein internationales Forschungsteam um den deutschen Klimaforscher Stefan Rahmstorf wertete Messdaten von Bojen, Schiffen und Satelliten aus und kombinierte diese mit Klimamodellen. Das Ergebnis: Die Abkühlung beschränkt sich nicht auf die Oberfläche, sondern reicht bis in große Meerestiefen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Nach Ansicht der Forscher spricht das gegen die Theorie, dass veränderte Wind- oder Wetterverhältnisse allein für den Kaltfleck verantwortlich sind. Stattdessen deute alles auf eine Veränderung der Meeresströmungen hin.

Europas "Heizung" wird schwächer

Bereits 2005 hatten britische Wissenschaftler festgestellt, dass sich der nördliche Golfstrom seit den 1950er-Jahren um etwa ein Drittel abgeschwächt hatte. Gleichzeitig wurde im Nordatlantik ein sinkender Salzgehalt gemessen.

Beides passt zu der Hypothese, dass die Amoc schwächer wird. Das Strömungssystem transportiert warmes Wasser aus den Tropen nach Norden und sorgt dafür, dass Europa vergleichsweise milde Winter erlebt. Schmelzwasser aus Grönland und der Arktis senkt jedoch den Salzgehalt des Nordatlantiks und könnte die Zirkulation bremsen.

Laut den Autoren lässt sich die beobachtete Veränderung des Wärmetransports nur durch eine schwächer werdende Amoc erklären. Manche Rekonstruktionen deuten darauf hin, dass sie derzeit so schwach sein könnte wie seit rund 1000 Jahren nicht mehr.

Experten sehen starke Hinweise

René van Westen von der Universität Utrecht verweist darauf, dass frühere Studien gezeigt hätten, dass sich ein Kaltfleck grundsätzlich auch durch atmosphärische Bedingungen bilden könne. Positiv bewertet er jedoch, dass die neue Untersuchung mit mehreren unabhängigen Datensätzen zu ähnlichen Ergebnissen kommt.

Auch David Thornalley vom University College London sieht in der Studie ein weiteres Indiz für den Zusammenhang zwischen Kaltfleck und Amoc-Schwächung. Zugleich verweist er auf bestehende Unsicherheiten bei den verfügbaren Messdaten. "Ich glaube nicht, dass das das letzte Wort zu diesem Thema sein wird", sagte Thornalley CNN.

Forscher warnen vor stärkerem Rückgang

Erst im April 2026 hatte ein Forschungsteam um Valentin Portmann von der Universität Bordeaux berechnet, dass sich die Amoc bis 2100 um 42 bis 58 Prozent abschwächen könnte – deutlich stärker als frühere Schätzungen von rund 32 Prozent.

"Wir haben festgestellt, dass die Amoc stärker zurückgehen wird als im Durchschnitt aller Klimamodelle erwartet", sagt Portmann. "Das bedeutet, wir haben eine Amoc, die näher an einem Kipppunkt ist."

Mögliche Folgen weltweit

Ein vollständiger Zusammenbruch der Amoc gilt als Extremfall. Nach aktuellem Forschungsstand könnte er einen deutlich schnelleren Meeresspiegelanstieg an der US-Ostküste, kältere Winter in Europa sowie Veränderungen der Monsun-Systeme in Westafrika auslösen.

Schon eine fortschreitende Abschwächung der Strömung könnte jedoch Auswirkungen auf Wetterlagen, Meeresströmungen und Ökosysteme im Nordatlantik haben.

{title && {title} } red, {title && {title} } 15.06.2026, 16:43
Jetzt E-Paper lesen