Tierischer Ratgeber

Dieses Glöckchen wiegt Wanderer in falsche Sicherheit

Kleine Glöckchen am Rucksack sollen beim Wandern verhindern, dass man einen Bären überrascht. Doch ist das nur ein Marketing-Gag?
Heute Tierisch
15.09.2026, 09:01
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Die Idee klingt zunächst vernünftig: Braunbären gehen Menschen normalerweise lieber aus dem Weg. Hört ein Tier Wanderer rechtzeitig kommen, hat es Gelegenheit, sich zurückzuziehen. Deshalb baumeln in klassischen Bärenregionen Nordamerikas an so manchem Rucksack sogenannte "Bear Bells". Das Problem: Die kleinen Glocken erzeugen zwar ständig Geräusche, sind aber offenbar längst nicht so wirkungsvoll, wie viele Wanderer glauben.

Der US-Nationalparkdienst wird hier sogar ziemlich deutlich. Im Glacier National Park gelten Bärenglocken als nicht ausreichend beziehungsweise ineffektiv. Stattdessen sollen Wanderer regelmäßig rufen, sprechen oder klatschen. Besonders wichtig ist das an unübersichtlichen Stellen, in dichter Vegetation oder neben rauschenden Bächen, wo ein Bär einen Menschen möglicherweise erst sehr spät wahrnimmt. Auch im Katmai National Park heißt es, die menschliche Stimme sei das beste Mittel, um Bären auf die eigene Anwesenheit aufmerksam zu machen.

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Klingeln kann sogar neugierige Bären anlocken

Ein weiterer Haken: Ein Bär muss das helle Klingeln nicht unbedingt mit einem herannahenden Menschen verbinden. Genau deshalb kann ein ungewohntes Geräusch bei einem neugierigen Tier theoretisch auch Interesse wecken, statt es sofort in die Flucht zu schlagen. Dass Bärenglocken die Tiere grundsätzlich anlocken, ist wissenschaftlich allerdings nicht ausreichend belegt. Sicherer ist die menschliche Stimme, denn sie liefert dem Bären eine wesentlich eindeutigere Information darüber, wer da auf dem Weg unterwegs ist.

In vielen Teilen der USA gehören Bären zum Alltag:

Wie wenig beeindruckend Glocken sein können, zeigen auch ältere Versuche, über die der National Park Service berichtet: Bei Tests reagierte ein Bär selbst auf kleine, nur wenige Meter entfernt geläutete Glocken kaum – er schlief teilweise einfach weiter. Die Schlussfolgerung der Fachleute: Kleine Glöckchen sind schlicht nicht laut genug, um sich als verlässliches Warnsystem zu eignen.

Bär voraus? Bloß nicht laufen ...

Wer tatsächlich einem Braunbären begegnet, sollte vor allem Ruhe bewahren, Abstand halten und niemals davonlaufen. Ist ein Rückzug möglich, geht man langsam zurück und gibt dem Tier ausreichend Raum. Gruppen sind in Bärengebieten grundsätzlich im Vorteil, weil sie leichter wahrgenommen werden. In nordamerikanischen Bärenregionen wird außerdem häufig empfohlen, zugelassenes Bärenspray griffbereit mitzuführen und mit dessen Anwendung vertraut zu sein. Untersuchungen aus Alaska zeigten eine hohe Wirksamkeit solcher Sprays bei problematischen Begegnungen.

Das Fazit für Wanderer lautet also: Das Glöckchen am Rucksack darf gerne klingeln – als persönliche Bärenversicherung taugt es aber nicht. Wer Meister Petz eine unangenehme Überraschung ersparen möchte, sollte lieber selbst hörbar werden. Ein kräftiges Gespräch mit den Wanderfreunden ist im Bärengebiet vermutlich sinnvoller als jedes "Klingeling".

red,15.09.2026, 09:01