Wer dieses Tier plötzlich an der Wand oder im Keller entdeckt, dürfte zunächst einmal zusammenzucken: lange, dünne Beine, auffallend lange Fühler und ein Körper, der an eine Mischung aus Spinne und Assel erinnert. Der Spinnenläufer (Scutigera coleoptrata) sieht spektakulär aus – ist in Österreich aber keineswegs unbekannt.
Der flinke Hundertfüßer stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und bevorzugt warme Regionen. In Österreich ist er bereits seit Jahrzehnten nachgewiesen.
Seine österreichischen Schwerpunkte liegen in wärmebegünstigten Gebieten. Besonders dicht besiedelt sind laut einer wissenschaftlichen Untersuchung das Neusiedler-See-Gebiet, das Leithagebirge, die Hundsheimer Berge und der Alpenostrand. Weitere Fundorte liegen entlang der Donau sowie im Mur-, Drau-, Gurk- und Gailtal.
Auch in Häusern fühlt sich der Spinnenläufer wohl. Er versteckt sich tagsüber gerne in Mauerritzen, hinter Möbeln oder in anderen geschützten Bereichen und geht erst in der Nacht auf die Jagd. Dadurch bekommen ihn viele Menschen nur selten zu Gesicht.
Der Spinnenläufer gehört zu den schnellsten Hundertfüßern. Seine langen Beine machen ihn zu einem regelrechten Sprinter unter den Gliederfüßern. Er kann bis zu 40 Millimeter pro Sekunde zurücklegen - das entspricht etwa 1,5 Kilometer pro Stunde. Genau dieses hektische Davonlaufen macht ihn für viele Menschen zusätzlich unheimlich.
So ekelig der Anblick für manche sein mag: Der Spinnenläufer kann im Haushalt durchaus ein nützlicher Mitbewohner sein. Auf seinem Speiseplan stehen unter anderem Fliegen, Motten, Spinnen, Ameisen, Schaben und Silberfische. Er ist damit ein nächtlicher Jäger, der andere ungeliebte Krabbeltiere vertilgt.
Seine Beute packt der Spinnenläufer mit den vorderen Beinpaaren und setzt dabei auch Gift ein. Für Menschen ist dieses Gift jedoch nicht gefährlich.
Fühlt sich das Tier massiv bedroht und kann nicht flüchten, kann es theoretisch zubeißen. Der Biss wird als schmerzhaft beschrieben, gilt für gesunde Menschen aber nicht als gefährlich.
Wer einen Spinnenläufer entdeckt, muss deshalb nicht in Panik geraten. Wer das Tier nicht im Haus haben möchte, kann es vorsichtig einfangen und nach draußen setzen.
Gerade in Gebäuden können Spinnenläufer ganzjährig vorkommen. Weil sie nachtaktiv und ausgesprochen versteckt leben, bleiben sie allerdings meist unbemerkt.
In warmen Perioden können sie auch an Hausmauern und anderen geschützten Stellen unterwegs sein. Höhere Temperaturen begünstigen zudem ihre Ausbreitung und machen es wahrscheinlicher, dass die wärmeliebenden Tiere auch außerhalb ihrer bisherigen Schwerpunkte auftauchen.