Die FPÖ begeht am Samstag ihr 70-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum hat die Partei zu einem Festakt in die Wiener Hofburg geladen. Darüber hinaus findet seit dem Nachmittag auf dem Stephansplatz ein "Volksfest" statt.
Für den Festakt reisten auch mehrere Vertreter europäischer Rechtsparteien nach Wien. Darunter unter anderem der ehemalige ungarische Ministerpräsident und FIDESZ-Chef Viktor Orban sowie AfD-Chefin Alice Weidel.
Mit minutenlangem Applaus wurde FPÖ-Chef Herbert Kickl am Samstagnachmittag bei der 70-Jahr-Feier seiner Partei in der Wiener Hofburg empfangen. Kurz nach 16.30 Uhr betrat er die Bühne und blickte zunächst auf seinen eigenen politischen Weg zurück.
Wenn ihm vor sechs oder sieben Jahren jemand gesagt hätte, dass er einmal die Festrede zum 70-jährigen Jubiläum der FPÖ halten werde, hätte er dieser Person "den Vogel gezeigt", sagte Kickl. Er habe damals nicht damit gerechnet, eines Tages an der Spitze dieser "wunderbaren Partei" zu stehen.
Gleichzeitig erinnerte der FPÖ-Obmann daran, dass er immer davon überzeugt gewesen sei, dass die Freiheitlichen sowohl in den Bundesländern als auch auf Bundesebene die Nummer eins werden könnten. Dies sei gelungen – entgegen den Einschätzungen der Experten und trotz des aus seiner Sicht "fanatischen Treibens" politischer Gegner, die FPÖ kleinzuhalten. "Nicht mit uns, dieses Spiel ist vorbei", erklärte Kickl. Die aktuellen Umfragewerte bezeichnete er als "wunderbares Geburtstagsgeschenk".
Beim Blick ins Publikum sehe er Dankbarkeit, Demut, Schmerz und "sehr, sehr viele Narben" bei den freiheitlichen Veteranen. Der Erfolg der FPÖ lasse die anderen Parteien vor Neid erblassen. Je näher eine "Schicksalswahl" rücke, desto wahrscheinlicher sei es, dass dieser Neid in Aggression umschlage, warnte der Parteichef.
In seiner Rede stellte Kickl die Freiheit des Einzelnen ins Zentrum. Der Staat müsse Beschützer und nicht Bevormunder der Bevölkerung sein. Mit Blick auf die demografische Entwicklung sagte er: "Ein Volk ohne Kinder ist ein Volk ohne Zukunft."
Im weiteren Verlauf rechnete Kickl mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Klimarat ab. Zudem sprach er von einer aus seiner Sicht notwendigen gesellschaftlichen Homogenität. "Ohne Homogenität gibt es keine Stabilität und ohne Stabilität gibt es keinen Wohlstand. Und dann geht sie los: Die Kettenreaktion, die ich nicht haben will", sagte der FPÖ-Chef.
Auch die demokratische Souveränität sieht Kickl gefährdet. Die herrschenden Parteien würden sich seiner Ansicht nach "panisch" vor einem politischen Kurswechsel fürchten, der sie aus ihren Ämtern fegen könnte.
Österreich sei kein "Filialbetrieb einer Brüsseler Konzernzentrale", erklärte Kickl. "Das Hemd ist uns näher als der Rock." Vieles von der nationalen Souveränität sei bewusst zerstört worden, kritisierte er. Dies sei unter Berufung auf die Werte des Westens geschehen. Zudem werde die Freiheit des Einzelnen zunehmend unter dem Vorwand des Schutzes vor Falsch- und Desinformation eingeschränkt.
Die von ihm propagierte "Festung Österreich" beschrieb Kickl als Schutzraum für Freiheit und Souveränität. Deshalb kämpfe die FPÖ auch für strengere Regeln bei der Vergabe der Staatsbürgerschaft. Die Freiheitlichen seien der "wahre österreichische Verfassungsschutz", sagte er.
Den politischen Mitbewerbern warf der Parteichef vor, sich vor dem Willen des Souveräns zu fürchten. Ziel der Mächtigen sei es, den Einfluss der Bevölkerung auf politische Entscheidungen immer weiter zurückzudrängen.
Besonders deutlich wurde Kickl beim Thema Migration. Es brauche einen sofortigen Asylstopp, forderte er. Zudem verlangte er eine konsequente Remigration. Diesen Begriff lasse er sich nicht verbieten. Remigration sei aus seiner Sicht "vernünftige Gerechtigkeit".
Menschen, die er als "Völkerwanderer" bezeichnete, sollten von der Mindestsicherung ausgeschlossen werden. Der Stopp der Zuwanderung sei ebenso eine Schicksalsfrage wie der entschlossene Kampf gegen den politischen Islam.
Mehrfach attackierte Kickl in diesem Zusammenhang die von ihm als "Systemparteien" bezeichneten politischen Mitbewerber. Österreich brauche nun einen "Systemwechsel", den die FPÖ mit ihm an der Spitze anstrebe.