Mitten im nicht so ewigen Eis sorgt eine spektakuläre Entdeckung für Aufsehen: Ein internationales Team an Bord des Forschungsschiffs "Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) hat im nordwestlichen Weddellmeer eine bislang unbekannte Insel entdeckt. Die Forscher waren seit Anfang Februar in der Region unterwegs, um Meeresströmungen und den Rückgang des Meereises zu untersuchen.
Wegen schlechter Wetterbedingungen suchte das Schiff Schutz im Windschatten von Joinville Island – und stieß dabei auf das mysteriöse Objekt. In Seekarten war an dieser Stelle lediglich eine Gefahrenzone verzeichnet, ohne konkrete Hinweise.
"Auf unserem Weg war in der Seekarte ein Gebiet mit unerforschten Gefahren für die Navigation eingezeichnet, von dem nicht klar war, worum es sich handelt und woher die Information stammte", berichtet Simon Dreutter aus der Bathymetrie. "Beim Blick aus dem Fenster haben wir dann einen 'Eisberg' gesehen, der irgendwie dreckig aussah." Als die Crew genauer hinsah, entpuppte sich dieser als Felsformation.
Die Wissenschaftler reagierten sofort: Mit Echolot, Drohne und Luftbild-Auswertung wurde die Insel erstmals genau vermessen. Das Ergebnis: rund 130 Meter lang, 50 Meter breit und etwa 16 Meter hoch. Damit ist sie sogar länger als die "Polarstern" selbst.
Warum die Insel bisher nicht korrekt kartiert war, gibt Rätsel auf. Auf Satellitenbildern ließ sie sich wegen ihrer Eisdecke kaum von treibenden Eisbergen unterscheiden. Auch ihre Position war in den vorhandenen Daten um rund eine Seemeile verschoben.
Jetzt beginnt der offizielle Prozess zur Namensgebung. Für die Forscher ist klar: Die Entdeckung ist nicht nur ein kartografischer Erfolg, sondern auch wichtig für die Sicherheit der Schifffahrt und die Forschung. Gerade in Regionen mit wenigen Messdaten können solche "unsichtbaren" Hindernisse große Risiken darstellen.
Nebenbei sammelte das Team auch wichtige Erkenntnisse zum dramatischen Wandel des antarktischen Meereises, dessen Ausdehnung seit Jahren stark zurückgeht.
Ihre Beobachtungen zeichnen ein düsteres Bild: Das Meereis wies überraschend starkes Oberflächenschmelzen auf. Es war vielfach fast schneefrei und hatte eine bläuliche oder gräuliche Oberfläche – eine Entwicklung, die zu fast arktischen Verhältnissen (siehe Video aus Grönland unten) führt. Dort ist das Eis mit vielen Schmelztümpeln bedeckt.
Messungen zeigen zudem überraschend viel Schmelzwasser direkt im und unter dem Eis – ein Hinweis auf tiefgreifende Veränderungen im Klimasystem.